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CirasdeNarm

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16

Mittwoch, 11. Januar 2017, 09:34

Ich finde ja, dass sich diese Frage ohnehin nicht auf allgemeiner Basis beantworten lässt. So fein intellektuell und sauber geschrieben zum Beispiel die Antwort von AnGer auch ist, so spiegelt sie auch nur seine persönliche Sicht der Dinge wieder. Alles daran ist natürlich hochgradig nachvollziehbar, aber es bleibt eine Antwort, die auf ihn zugeschnitten ist. Deswegen kann diese Frage insgesamt auch nur individuell beantwortet werden, woraus man dann am Ende vielleicht zu einer Art Fazit kommt, mehr aber auch nicht.

Wenn das reine Handwerk ein Kriterium für Spielspaß oder ein gutes Spiel wäre, dann wäre ein Final Fantasy VII wohl nicht ansatzweise so berühmt geworden, wie es heute ist. Ich spreche da natürlich von der wirklich schlechten Übersetzung, welche ja ebenfalls zum Handwerk gehört. Niemand hat sich daran wirklicht gestört und mittlerweile wird dem Machwerk, aufgrund dieser Tatsache, sogar ein gewisser Charme zugesprochen und diesen Status hätte es wohl ohne diese Patzer nie gegeben. Natürlich ist das nur ein Beispiel und in der Vergangenheit sowie auch heute noch dürfte es wohl unzählige Beispiele dafür geben, dass das reine Handwerk absolut kein Kriterium für ein gutes Spiel ist. Hier passt vielleicht auch noch Dragon Quest VIII rein, welches ich mir für den 3DS zulegen werde, trotz des grafischen Rückschritts. Dort sind es dann wieder die Neuerungen, die mich locken und die Gewissheit, abermals ein gutes Spiel zu ergattern, ganz ungeachtet der Optik.

Aber auch hier muss man wieder sagen, dass es dem einen sicherlich komplett egal ist, dem anderen dann aber wiederum nicht und so kommen wir wieder bei den Meinungen an, die es so gut wie unmöglich machen, die Frage zu beantworten, wann ein Spiel tatsächlich gut ist. Ich glaube, das kann wirklich nur jeder für sich selbst entscheiden und so wird selbst das Spiel mit der schlechtesten Bewertung seine Gönner haben, umgekehrt genau das gleiche.
Fliegen ist gar nicht so schwer, wie man denkt:

Man muss sich nur auf den Boden schmeißen und vergessen aufzuschlagen!
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17

Mittwoch, 11. Januar 2017, 11:55

Und du hast da gerade ungewollt ein Gedanken los getreten bei mir, den ich auch interessant finde. In wie weit haben wir Einfluss was Zeitgemäß ist ? Ich gehe eigentlich Grundsätzlich erstmal davon aus das Trends bewusst von Geldgebern geschaffen und mit geschickten Marketing hochgepusht werden, des weiteren finde ich aber auch das es ein Wechselspiel zwischen Nutzen und Innovation ist.

Mal eine doofe Frage, hätten wir alle aufgehört zu spielen wenn der Technikstandard noch bei der PS2 wäre ? Hätten wir nach neuer Grafik geschrien ? Schadet Innovation nicht auch irgendwo die Industrie ? Und in weit kann Innovation, bewährtes denn ersetzen ?

Wenn ich jetzt den Post nochmal lese Kelsis würde ich eher zum Schluss kommen, das nicht jede Innovation gut ist und die Qualität deutlich beeinflussen kann, wenn nicht sogar mehr.
Spiele werden durch DLC, Onlinebindung, Social Media, massentauglicher, damals gab es nur das Spiel. Macht es das besser ? Schwere Frage.


Bin wahrscheinlich nicht der Richtige für diese Fragen, denn erstens bin ich ein "alter Mann" :D und zweitens haben "Trends" für mich aufgehört zu existieren, seit ich mit 17 in der sogenannten "schwarzen Szene" untergetaucht (und nie wieder aufgetaucht) bin. Ich lebe ausgezeichnet ohne Trends und muss nicht erst auf einer Lifestyle-Plattform nachschauen, ob das, was ich gutfinden will, auch gerade "angesagt" ist. Hatte nie viel übrig für Personen, die sich als Richter des guten Geschmacks aufspielen (und dabei streng genommen gar keinen Geschmack haben, weil sie selbigen immer dem Zeitgeist anpassen).
Weiß nicht, ob ich mit dem Spielen aufgehört hätte, wenn die Games sich immer noch auf PS2-Niveau abspielen würden. Ich mochte die PS1 und die PS2 - es waren rückblickend die 10-12 besten Jahre für die Leute, die man heute als Core-Gamer bezeichnet. Das Spieleangebot war vielseitig wie nie (und zwar gerade weil es noch Genregrenzen gab - denn so wurde ein Einheitsbrei vermieden). Ja, ich würde vermutlich auch heute noch spielen, wenn man die Technik auf dem Stand von, sagen wir mal, 2005 eingefroren hätte, zumal das ganze, erst in den letzten Jahren entstandene Mobile-Gaming sich (derzeit zumindest) deutlich unter PS2-Niveau abspielt.
Und du hast Recht, ich empfinde (auch außerhalb vom Gaming) nicht jede Innovation als gut. DLC, Onlinebindung und Social Media sind für mich nur Drumherum-Ballast, der vom Kern der Sache ablenkt und den eigentlichen Spielen nicht wirklich was Gutes bringt.
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Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von »Kelesis« (11. Januar 2017, 13:25)


18

Donnerstag, 12. Januar 2017, 02:08

Zitat

Bin wahrscheinlich nicht der Richtige für diese Fragen, denn erstens bin ich ein "alter Mann" :D und zweitens haben "Trends" für mich aufgehört zu existieren, seit ich mit 17 in der sogenannten "schwarzen Szene" untergetaucht (und nie wieder aufgetaucht) bin. Ich lebe ausgezeichnet ohne Trends und muss nicht erst auf einer Lifestyle-Plattform nachschauen, ob das, was ich gutfinden will, auch gerade "angesagt" ist. Hatte nie viel übrig für Personen, die sich als Richter des guten Geschmacks aufspielen (und dabei streng genommen gar keinen Geschmack haben, weil sie selbigen immer dem Zeitgeist anpassen).


Solche Leute sind auch Marken fixiert und würde ich mal behaupten bilden eine kleine Minderheit. Du ziehst ja auch nicht irgendwas an oder ? Du wirst dich vielleicht bewusst oder unbewusst schon einer gewissen Gruppe Mensch zuordnen. Du wirst sicherlich auch keine Marke vergöttern, aber sicherlich eine den Vorzug geben und sei es nur um Beispiel zu nennen Apple oder Android, eins von beiden wirst du besitzen oder vielleicht auch ein Windows Phone, ich kann dir nicht unterstellen kein Smartphone oder ein Handy zu haben, vielleicht hast du kein Smartphone, aber kein Handy ? das wäre schon arg ungewöhnlich. Darum gehts ja auch gar nicht. Es gibt unterschiedlich Ströme die einen sind ganz laut, die anderen sehr leise, aber sicher ist dass du doch einer gewissen Linie folgst und das beeinflusst dein Konsumverhalten und macht dich für anderes empfänglich als sage ich mal die "lauten" die danach schreien beachtet zu werden.^^


Zitat

Und du hast Recht, ich empfinde (auch außerhalb vom Gaming) nicht jede Innovation als gut. DLC, Onlinebindung und Social Media sind für mich nur Drumherum-Ballast, der vom Kern der Sache ablenkt und den eigentlichen Spielen nicht wirklich was Gutes bringt.


Mal abgesehen davon, sehe ich es vielleicht noch drastischer. Die Entwicklung der Grafik macth vieles realistischer, aber es macht die Spielmechanik komplizierter, weil die Grafik nun auch ziemlich aufwendig ist. Beides arbeitet gegeneinander, Spielmechaniken die damals möglich und deren Lösungen kreativ waren, können so nicht mehr umgesetzt werden, man verliert Vielfalt und spielerisch und grafisch nähert man sich der Gleichschaltung.
Ingewisserweise erinnert mich das gerade etwas an die Medientheorie und die ganzen Kritiken die im Laufe der Jahrhunderte über bestimmte Medien gesponnen wurden.

19

Donnerstag, 12. Januar 2017, 08:56

Mal abgesehen davon, sehe ich es vielleicht noch drastischer. Die Entwicklung der Grafik macth vieles realistischer, aber es macht die Spielmechanik komplizierter, weil die Grafik nun auch ziemlich aufwendig ist. Beides arbeitet gegeneinander, Spielmechaniken die damals möglich und deren Lösungen kreativ waren, können so nicht mehr umgesetzt werden, man verliert Vielfalt und spielerisch und grafisch nähert man sich der Gleichschaltung.


Weiß nicht, ob der grafische Fortschritt zwingend gegen die Spielmechanik arbeiten muss, denn letztlich lassen sich Spielmechaniken, die man vor 20 Jahren verwirklichen konnte, auch heute noch umsetzen - und zwar mit teils geringerem Aufwand und visuell trotzdem besser. Keine Ahnung, wann die Behauptungen anfingen, dass dieses oder jenes Spielkonzept nicht mehr gut genug ist für die heutige Zeit. Eine Genre wird ja schließlich nicht schlecht und ich kann auch mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass die Endnutzer sich KEINEN Einheitsbrei wünschen. Da können selbsternannte Marktexperten herumanalysieren wie sie wollen - die ziehen ja gerne mal falsche Schlüsse aus ihren Zahlen.

Was aber in jedem Fall schadet, ist die Fixierung auf die Grafik. Hier kann ich gleich mal "Tales of Berseria" als aktuelles Beispiel nennen. Da rollt ein (wahrscheinlich) ausgesprochen umfangreiches und spielerisch facettenreiches RPG auf uns zu und das Hauptthema in den Diskussionen scheint nur die vergleichsweise magere Grafik zu sein. Da sollte die postmoderne Gamerschaft mal ganz dringend ihre Prioritäten klären. Wollen wir Pixel zählen oder Spaß beim Spielen haben?
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Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Kelesis« (12. Januar 2017, 09:06)


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20

Donnerstag, 12. Januar 2017, 09:46

Nur wird das nie passieren...

Es wird grundsätzlich so weiter gehen und schlimmer werden, denn gerade die aktuelle Generation ist insgesamt so dermaßen Oberflächlich, dass es schon weh tut und das überträgt sich natürlich wesentlich leichter auf die noch kommenden Generationen. Das fängt ja schon bei der Sichtung von Trailern an. Die ersten Reaktionen, wenn sich Trailer angesehen werden, sind eigentlich nur zwei verschiedene und zwar sehen sie ungefähr wie folgt aus:

"Wooooow, sieht das gut aus!"

oder

"Oh Gott! Das sieht vielleicht besch***en aus!"

Ja, ersteres kann natürlich auch auf den allgemeinen Art-Style abzielen, aber seien wir mal ehrlich: das ist doch in den seltensten Fällen so. Beurteilt wird in erster Linie nur die Qualität der Grafik und meist wird dabei vergessen, dass es sich bei den ersten Trailern noch nicht zwingend um finales Material handelt. Da kommen dann die Entwickler ins Spiel, die das im Grunde zu verantworten haben und ich glaube sogar, es wird einfach bewusst geschöntes Material gezeigt, damit der Kunde sieht, dass es auf jeden Fall besser geht und dementsprechend auch nach dieser Qualität verlangt. Zum Beispiel kann das eingesetzt werden, um eine neue Version einer bereits erhältlichen Konsole an den Mann zu bringen, nicht wahr? Alles muss größer, realistischer und technisch immer auf dem neuesten Stand sein, damit die überwiegende Spielerschaft zufrieden ist. Nur hält diese Zufriedenheit leider nicht sehr lange an und die Entwickler müssen noch einen oben drauf setzen.

Im Grunde ist das also ein ziemlicher Teufelskreis, aus dem es meiner Meinung nach kein Entrinnen mehr gibt. Spieler, die noch des Spaßes wegen ein Spiel spielen wird es in Zukunft immer weniger geben, nehme ich an und ebenso werden die Spiele dieser Zielgruppe eher am Rande existieren. Allerdings muss man sagen, dass sie dadurch dann auch wieder etwas besonderes sein können.
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21

Donnerstag, 12. Januar 2017, 10:44

@CirasdeNarm: Die Frage ist halt, wie lange die Entwickler technisch immer wieder einen draufsetzen können. Spätestens dann, wenn Spielgrafik wirklich mehr oder weniger 1:1 der Realität entspricht, dürfte das schwierig werden.

Bin ja bis heute der Meinung, dass es nicht Kernaufgabe eines Videospiels ist, das reale Leben zu imitieren. Wenn ich die Realtität sehen will, laufe ich durch eine Stadt und wenn ich der Realität entfliehen will, spiele ich - aber das ist nur meine Sichtweise.
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AnGer

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22

Donnerstag, 12. Januar 2017, 11:21

Ich denke immer an (und das mag sich etwas komisch anhören) die Natur und die Welt, Menschen Umgebung allgemein. Wir sind umgeben von Impeferktion, Bäume die nicht richtig gewachsen sind die aber neben den Symmetrisch schönen gewachsenen stehen, trotz dieser Tatsache empfinden wir sowas als schön, natürlich und auch atmossphärisch. Wenn ich diesen Umstand auf Spielwelten übertragen würde, müsste ich glatt sagen, die Welt müsste beides besitzen einen Hang zu verfehlten und zum perfekten.

Wenn das reine Handwerk ein Kriterium für Spielspaß oder ein gutes Spiel wäre, dann wäre ein Final Fantasy VII wohl nicht ansatzweise so berühmt geworden, wie es heute ist. Ich spreche da natürlich von der wirklich schlechten Übersetzung, welche ja ebenfalls zum Handwerk gehört. Niemand hat sich daran wirklicht gestört und mittlerweile wird dem Machwerk, aufgrund dieser Tatsache, sogar ein gewisser Charme zugesprochen und diesen Status hätte es wohl ohne diese Patzer nie gegeben. Natürlich ist das nur ein Beispiel und in der Vergangenheit sowie auch heute noch dürfte es wohl unzählige Beispiele dafür geben, dass das reine Handwerk absolut kein Kriterium für ein gutes Spiel ist.

SixOldShoes hat das ja bereits ein wenig im obigen Zitat angesprochen, aber ich will das noch ein wenig ausführen. "Perfektion" gibt es nicht, oder wenn, nur in dem Sinne, dass man nach Perfektion streben kann, ohne sie wirklich je zu erreichen. Man (und da zähle ich mich dazu) kann ein Ding auch lieben, obwohl es nicht "perfekt" ist (und Final Fantasy IX ist beim besten Willen nicht perfekt) oder, wie du richtig sagst, gerade weil es nicht perfekt ist. Das aber macht in einem gewissen Sinne auch "Handwerk" aus - es kann immer Imperfektionen geben, aber man spürt in einem gewissen Sinne die Hand, die das Ding geschaffen hat. Weshalb ich bei den Spielen, die ich als "perfektes Mittelmaß" angeführt habe, auch Lords of Shadow nannte - das Spiel hat einfach null Flair, nichts daran ist wirklich eigenständig und aus dem Wunsch heraus geschaffen, ein eigenständiges Spiel zu machen, sondern ein Produkt zu fabrizieren, das punktgenau den Zeitgeschmack trifft. Und das ist eigentlich die größte Sünde und ich gebe Kelesis auch Recht, wenn er sagt, dass die Suits in den Marketingabteilungen oft keine Ahnung haben, was die Spieler wirklich wollen, weil sie alles durch Zahlenreihen hyperanonymisieren.
Weshalb das von mir genannte "Natur" auch nur auf Spiele passt die überhaupt Spielwelten anbieten.

Ich weiß, wovon du sprichst, aber meiner Ansicht nach bietet jedes Spiel eine Welt an. Wie oft können wir schon im echten Leben eine Formel-1-Karriere beginnen? Oder Städte planen? Oder in eine Spitfire steigen? Die größte Macht, die Spiele bieten ist, uns eine Fantasie ausleben lassen zu können und dadurch Teil einer anderen Welt werden zu lassen.
Mal eine doofe Frage, hätten wir alle aufgehört zu spielen wenn der Technikstandard noch bei der PS2 wäre ?

Eine Genre wird ja schließlich nicht schlecht und ich kann auch mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass die Endnutzer sich KEINEN Einheitsbrei wünschen.

Wollen wir Pixel zählen oder Spaß beim Spielen haben?

Alles muss größer, realistischer und technisch immer auf dem neuesten Stand sein, damit die überwiegende Spielerschaft zufrieden ist. Nur hält diese Zufriedenheit leider nicht sehr lange an und die Entwickler müssen noch einen oben drauf setzen.

Das Problem ist meiner Ansicht nach, dass die Spiele(r)welt eine sehr singuläre Sicht auf die Dinge hat. Wie oft hört man, dass irgendetwas "die Zukunft" sei? Wichtig hier ist der defitnitive Artikel - DIE Zukunft, nicht EINE Zukunft. Jaja, ich weiß, semantische Kinkerlitzchen, aber diese Idee, dass es nur eine Form des Fortschritts in einem Medium geben darf, ist einfach fatalistisch. Zwangsläufig wird man nicht drumherum kommen, dass eine Richtung dominiert, aber diese eine Richtung als die einzig wahre zu designieren, halte ich für gefährlich, wenn nicht gar anti-fortschrittlich.

EDIT:

Zitat

Bin ja bis heute der Meinung, dass es nicht Kernaufgabe eines Videospiels ist, das reale Leben zu imitieren. Wenn ich die Realtität sehen will, laufe ich durch eine Stadt und wenn ich der Realität entfliehen will, spiele ich - aber das ist nur meine Sichtweise.

Ist natürlich die Frage, wie man Realität definiert. Ich finde, dass eine gewisse Form des Realismus nicht schadet, aber dieser Realismus muss nicht der Fotorealismus sein, sondern eher eine Art "kontextueller Realismus" - etwas, das nicht real ist oder optisch danach aussieht, aber dennoch das Gefühl von Realität vermittelt.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »AnGer« (12. Januar 2017, 11:21)


23

Donnerstag, 12. Januar 2017, 16:39

Zitat

Ist jetzt auch erstmal nur eine Behauptung, da du vom Beruf Journalist
bist, hast du da vielleicht interne Erfahrung ? Grundsätzlich zu deiner
Aussage wäre es bedenklich nach allgemeinem Interesse zu bewerten, denn
das macht den Test sowieso unglaubwürdig. Dass du das erwähnst, kann ich
verstehen da ich Subjektiv einen ähnlichen Eindruck habe.
Es geht eben letztlich auch im Verlagswesen nur darum Geld zu verdienen. Z.B. durch Nachrichten, die viele Klicks generieren, da wird dann lieber 1000 Mal über Spiel XYZ jeder noch so unwichtige Fitzel berichtet, während eigentlich interessante News, die wirklich mal was neues bringen dann eher unter den Tisch fallen, weil entsprechender Titel nicht so viele Leute interessiert.

Du siehst es z.B. bei Seiten, die nur Spiele aus bestimmten Genres
testen, wie etwa Adventuretreff.de. Da bekommen Adventures naturgemäß im
Schnitt immer erheblich höhere Wertungen als in der allgemeinen
Spielepresse, obwohl doch gerade ein "Fachmagazin" da besonders kritisch rangehen müsste. Tun sie aber nicht, weil sie eben ihre Fans nicht verärgern wollen.

Generell hat ein Journalist von oben eigentlich immer die Order weder Anzeigenkunden noch Leser zu vergrätzen. Das war bei allen Zeitungen und Zeitschriften so, bei denen ich bisher gearbeitet habe.
Entsprechend leisten sich auch nur wirklich sehr große Zeitungen mal Kolumnen, wo sie provozieren oder nicht der allgemein geglaubten aktuellen politischen Windrichtung entsprechend kommentieren.

Zitat

Gefallen
ist kein Kritierium genauso wie schön kein Argument ist. Meine Frage
bezieht sich eher darauf was Gefallen auslöst, oder versucht es zu
ergründen.
Meine Meinung schließe ich da nicht aus Spiele die mir nicht gefallen, gefallen andere wiederum, ich frage mich nur wieso.

Wie viel wert ist ein "gut", wenn es für viele "nicht gut" ist ?
Geschmack ist halt völlig subjektiv und jeder Mensch ist da anders. Das lässt sich einfach nicht klar festlegen.

Siehe z.B. die TV Serie Westworld, eine der höchstgelobten Serien überhaupt. Bei IMDB aktuell mit 9.1 bewertet, bei 123.000 Votes, was mehr ist, als die meisten anderen Serien und Filme haben und was den Schnitt in der Regel immer ordentlich nach unten zieht. Auch da gibt es bei den Kommentaren dennoch sehr viele Leute, die nur ein oder zwei (von zehn) Sternen vergeben haben und die Serie absolute Scheiße finden.

Zitat

Das finde ich interessant, weil du hier sagst das eine Spielfigur die
keine Characktereigenschaft hat, die deine Wesenzüge in etwa gleich
kommt dich nicht interessieren. Interessant deshalb, weil wir uns im
realen Leben auch nur zu Personen hingezogen füllen die unsere
Interessen und Eigenschaften in etwa teilen.
Nein, das stimmt so nicht ganz. Eine Spielfigur muss keine mir ähnlichen Charaktereigenschaften oder gar Moralvorstellungen haben. Im Gegenteil, ich finde es gerade spannend, wenn eine Figur sehr anders ist.

Einer meiner frühen "Lieblingshelden" ist z.B. die Romanfigur Dorian Hunter (Dämonenkiller, gibt jedoch auch eine neue Hörspielserie Namens Dorian Hunter), weil der ein absolutes Arschloch ist, der seine besten Freunde wie Dreck behandelt und teilw. betrügt und fremdgeht usw. aber eben am Ende das Herz am rechten Fleck hat und für die Leute da ist.

Im Fall GTA ist es bei mir eine persönliche moralische und thematische Hemmschwelle. Mich interessieren weder Russenmafia noch schwarzer Ghetto-Gangster. Psychotischer Massenmörder schon eher, sofern ich die Motivation von diesem irgendwie moralisch rechtfertigen kann (er killt nur andere Böse) oder er extrem persifliert ist (wie etwa bei Postal). Nur eine Art Glorifizierung so einer Person, so mein Eindruck bei GTA 5, mag ich dann einfach nicht, ein Psychokiller ist für mich eben kein strahlender Held.

Viele Leute mochten z.B. den Hauptcharakter von Watch Dogs 1 nicht, weil sie ihn als Egoisten einstufen, der ohne Rücksicht auf Verluste auf einem Rachefeldzug ist.

Zitat

Reicht es für ein gutes Spiel aus, wenn es keine groben
Programmierfehler aufweist? Meiner Ansicht nach ist das eine völlig
unzureichende und tödlich technokratische Herangehensweise, die man
schon fast als antiintellektuell bezeichnen muss. Natürlich sollte ein
funktionales Spiel keine groben Programmierfehler aufweisen aber dies
ist letztlich eine derart banale Anforderung - um einen der leidigen
Autovergleiche zu bringen, auf einem ähnlichen Niveau bewegt sich die
Frage, ob bei einem konventionellen Verbrennungsmotor eine Zündkerze
eingesetzt wurde - dass sie im großen Ganzen vernachlässigbar ist.
Ich sehe ein gutes Handwerk eben als Basis an. Ähnlich wie bei einem Roman, die Story kann noch so toll sein und gute Ideen haben, es nützt nichts, wenn sie schlecht geschrieben ist oder der Text 1000 Rechtschreibfehler enthält. Von daher sollten Technik und Playability bei einem Spiel schon stimmen.
Mein Blog über Rollenspiele aller Art: http://rpcg.blogspot.com/


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24

Donnerstag, 12. Januar 2017, 17:03

Ich sehe ein gutes Handwerk eben als Basis an. Ähnlich wie bei einem Roman, die Story kann noch so toll sein und gute Ideen haben, es nützt nichts, wenn sie schlecht geschrieben ist oder der Text 1000 Rechtschreibfehler enthält. Von daher sollten Technik und Playability bei einem Spiel schon stimmen.

Dem würde ich mich auch an und für sich anschließen, nur sind Technik und Gameplay ab einem gewissen Niveau aus meiner Sicht auch ästhetische Entscheidungen, genauso wie es bei einem Roman eine ästhetische Entscheidung sein kann, dramaturgische Strukturen aufzubrechen. Voraussetzung dafür ist aber, dass man in den Grundlagen fest genug verankert sein muss, bevor man sie brechen kann - und oft können konservative (oder, um einen anderen Begriff zu nutzen, 'archaische') Ideen genauso gut oder gar besser im Gesamtkontext funktionieren als moderne Zwänge.
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25

Freitag, 13. Januar 2017, 14:09

Für mich ist ein Spiel nur dann richtig gut, wenn ich komplett darin abtauchen kann und nichts mehr um mich herum mitbekomme. Dass ein Spiel großartig war bemerke ich auch im Abspann wenn ich reumütig daran denke dass es jetzt zu Ende ist.

Gute Grafik hat in meinen Augen nichts mit Polygonen, Shadern usw. zu tun sondern der Stil der Optik ist viel wichtiger. Wenn das Design stimmt dann kann eine Cellshading Optik um ein vielfaches schöner sein als High-End Grafik.

Für gewöhnlich muss sich ein symmetrisches Gesamtbild aus Story, Optik, Gameplay und Musik ergeben damit ein Spiel großartig wird. Wobei ich finde dass die Grafik den unwichtigsten Teil ausmacht. Leider favorisieren aber die meisten Entwickler genau diesen Punkt und deshalb gibt es auch kaum noch wirklich gute Spiele.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Izanagi« (13. Januar 2017, 14:14)


26

Freitag, 13. Januar 2017, 21:42

Wobei ich finde dass die Grafik den unwichtigsten Teil ausmacht. Leider favorisieren aber die meisten Entwickler genau diesen Punkt und deshalb gibt es auch kaum noch wirklich gute Spiele.

Sorry, aber das ist blödsinn, es gibt soviele gute Spiele wie nie zuvor. Nur ist unser Empfinden durch Übersättigung und Erfahrung ein anderes als damals. Insbesondere kommen im Monat alleine auf Steam ca. 500 neue Games, die wenigsten davon haben auch nur annähernd gute Grafik.
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27

Samstag, 14. Januar 2017, 08:36

@Spiritogre: Mag sein, dass der Anteil "guter" Spiele auf dem Papier noch relativ hoch ist, aber was eindeutig fehlt, sind "markante" Spiele, die sich zu einer gewissen Einzigartigkeit bekennen. Und wenn es dann mal eins tut, wie z.B. "I am Setsuna", schreckt die sogenannte Fachpresse nicht vor unfairen Verrisstestberichten zurück und spielt damit den großen Publishern und ihren Einheitskonzepten noch in die Hände.
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28

Samstag, 14. Januar 2017, 12:22

Es wird aber auch immer schwieriger das Rad ständig neu zu erfinden. Wer halt schon 50 RPGs gespielt hat, der wird da deutlich weniger Einzigartigkeit im 51. RPG sehen, als jemand, der gerade erst mit dem Gaming angefangen hat. Die ersten Erfahrungen mit einem bestimmten Spiel(konzept) / Genre hat man meist auch besonders positiv in Erinnerung.

Zudem sollte man auch den Faktor Internet nicht vergessen. Sei weil man sich das Best Game ever auf Grund von Wertungen oder Videos verspricht oder einfach weil man unter Umständen quasi das Spiel schon nahezu komplett in Form von Trailern, Berichten und Let's Plays gesehen bevor man selbst auch nur 1 Minute selbst Hand angelegt hat.

29

Sonntag, 15. Januar 2017, 14:22

@Spiritogre: Mag sein, dass der Anteil "guter" Spiele auf dem Papier noch relativ hoch ist, aber was eindeutig fehlt, sind "markante" Spiele, die sich zu einer gewissen Einzigartigkeit bekennen. Und wenn es dann mal eins tut, wie z.B. "I am Setsuna", schreckt die sogenannte Fachpresse nicht vor unfairen Verrisstestberichten zurück und spielt damit den großen Publishern und ihren Einheitskonzepten noch in die Hände.

Also ich habe z.B. die Kommentare von absoluten JRPG Freaks wie Greg, bekannt von MTV, Giga, Rocket Beans etc. https://www.youtube.com/user/rpgheaven mit einbezogen. Selbst der findet I am Setsuna maximal nett, es versucht halt irgendwo Chrono Trigger zu kopieren ohne auch nur entfernt da ranzukommen. Und mit der Meinung ist er nicht alleine.

Mir z.B. gefallen, wenn es um Oldschool RPGs mit Rundenkämpfen geht die
"neuen" Shadowrun RPGs ziemlich gut, die haben halt ein noch nicht ganz
so abgedroschenes Setting, viele kleine Rätsel, tolle Storys usw. wo es
praktisch keinen Leerlauf gibt.

Die Ansprüche heute sind wie gesagt völlig andere als damals und wenn ein Spiel heute nicht mal mit den alten Klassikern mithalten kann, dann würde ich es persönlich einfach als nicht sonderlich gut einstufen. Und es ist ja nicht so, dass solche Klassiker Fortsetzungen aktuell Mangelware sind, jedenfalls auf dem PC gehen diese Retro-RPGs ja inzwischen in das gute Dutzend mit Divinity: Original Sin, Tyranny, Pillars, Torment, Wasteland 2 usw. und die RPG Maker JRPGs insbesondere im Mobilbereich, die gehen in die 100e, alleine wenn man sich anschaut, was da Kemco im Monatstakt raushaut.

Dass es in Zeiten von 7000 neu veröffentlichten Titeln im Jahr + eine weitere Unsumme an Mobilspielen an markanten Titeln mangelt ist auch selbstverständlich. Es ist halt heute ungleich viel schwerer aus der Masse herauszustechen, früher war jedes noch so unbedeutende Maskottchen jedem Zocker ein Begriff, schlicht weil es nur eine Handvoll gab. Heute konkurrieren Hunderte Titel miteinander und natürlich können die nach 40 Jahren Videospielen auch das Rad nicht jedes Mal neu erfinden, es ist halt das meiste schon gemacht worden.

Da rauszustechen geht nur mit viel Werbung oder halt einem bekannten Namen. Und das sind dann die Titel, die man kennt, und wo viele denken, sie sind eben generisch und immer das gleiche. Aber das genau will der Markt ja, Mario oder Pokémon verändern sich nur minimalst und sind trotzdem irre erfolgreich. Wenn jemand da versucht mit einem unbekannten Namen etwas anders zu machen, dann wird das zu 99,999 Prozent ein absoluter Reinfall.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Spiritogre« (15. Januar 2017, 14:36)


30

Montag, 16. Januar 2017, 11:08

Die Frage ab wann ein Spiel gut ist, ist nicht pauschal zu beantworten. Zum Einen ist es stark genreabhängig. Zum Anderen ist es aber auch stark geschmacksabhängig, zum Dritten aber sicherlich auch stark Markenabhängig. Mit anderen Worten kommt es wohl einfach auf die Erwartung des Einzelnen an.

Beispielsweise erwarte ich von einem Jump&Run alla Mario weder ein potentiell komplexes Gameplay, noch eine epische Story oder eine hochmoderne Grafik. Von einem FF bis zu einem gewissen Grad aber schon.

Ich finde Spiele lassen sich im Gegensatz zu Musik und Filme nur schwer auch formal beurteilen. Was auch der wesentliche Grund dafür ist, weshalb Spiele es schwer haben, als Kunstform anerkannt zu werden. Obwohl sie gerade aufgrund dieser gewisser Freiheiten mehr dafür prädestiniert wären, als seine "Kollegen". Aber wir leben halt in einer eher rational geprägten Welt...

Das Einzige was ich aber ziemlich traurig finde ist, dass ein Großteil der Gamerlandschaft so herablassend auf Indietitel blickt. Die Indiesparte bietet eine große Palette an Möglichkeiten und bieten auch ein paar Perlen darunter.

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