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Mittwoch, 18. Oktober 2017, 20:10

Im Test! Chaos;Child

Titel Chaos;Child
Japan 25. Juni 2015
5pb. Games
Nordamerika 24. Oktober 2017
pQube
Europa 13. Oktober 2017
pQube
System PlayStation 4, PlayStation Vita
Getestet für PlayStation 4
Entwickler 5pb. Games
Genres Visual Novel, Murder-Mystery
Texte
Nordamerika 
Vertonung Japan

Langsam geht es auch im Westen weiter mit der Science-Adventure-Reihe. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass wir je Chaos;Head und Robotics;Notes zu Gesicht bekommen werden, aber zumindest an Chaos;Child, den vierten Eintrag der Reihe, hat man sich gewagt und die PlayStation-4- sowie PlayStation-Vita-Version lokalisiert. Auch wenn diese Murder-Mystery-Visual-Novel ein Nachfolger von Chaos;Head ist und auf verschiedene Art und Weise Verbindungen dazu herstellt, muss man sich nicht unbedingt damit auskennen. So sind Vorkenntnisse zwar wünschenswert, aber nicht notwendig. Ob es sich lohnt die grausame Mordserie, um die es in Chaos;Child geht, mitzuverfolgen, erfahrt ihr in unserem Test!

Eine bizarre Mordserie beginnt erneut

Dass es keine gute Idee war seine Nase zu tief in eine grausame Mordserie zu stecken, muss auch der Oberschüler und selbsternannte Right-Sider Takuru Miyashiro feststellen, als die horrorgleichen Ereignisse ihn zu verfolgen beginnen. Trotzdem werfen er und seine Mitschüler aus dem Schülerzeitungsklub nicht so einfach die Flinte ins Korn, denn sie sind sich sicher an einer sehr großen Sache dran zu sein, die mit einigen brutalen Taten von vor sechs Jahren zusammenzuhängen scheint. Bei dem Versuch die Polizei zu übertrumpfen, stößt Takuru auf Informationen und Erkenntnisse, die sein Leben, wie auch das seiner Freunde, für immer verändern werden.

Kaum startet man Chaos;Child und schaut sich die Anfangssequenz an, wird man schon Zeuge eines grausigen Verbrechens, das mysteriöser nicht hätte sein können. Dabei wird verstärkt der Fokus auf die Atmosphäre gesetzt und mit Beschreibungen und Geräuschen gespielt, um den Horror darzustellen. Es wird bei solchen Szenen – die nicht gerade wenig vorhanden sind – allerdings auch nicht gerade zimperlich mit Abbildungen umgegangen. Meist wird es vermieden die Verletzungen direkt zu zeigen, aber der Gore-Gehalt ist trotzdem nichts für schwache Gemüter und es fließt viel Blut.

Anfangs wird die Detektivarbeit des Schülerzeitungsklubs noch als aufregender Zeitvertreib angesehen, der sich von den üblichen, langweiligen Themen abgrenzt, und gerade Takuru ist voll und ganz bei der Sache. Der Oberschüler stolpert aber schon bald, in Begleitung seiner Kindheitsfreundin Serika Onoe, selbst in einen Tatort hinein und danach fängt die Situation langsam an zu eskalieren. Gerade Takuru zeigt sich hierbei als vielschichtiger Charakter, der recht faszinierend zu beobachten ist. Er selbst ist davon überzeugt komplett normal zu sein und spielt sich oftmals als Besserwisser auf. Dass er eigentlich eher in Richtung eigenbrötlerisch geht und von seinen Klassenkameraden als seltsam angesehen wird, zumal er gegenüber Fremden kaum ein Wort herausbringt, spielt für ihn anscheinend keine wichtige Rolle. Interessant am Chaos;Child-Protagonisten sind gerade seine Gedankengänge, die oftmals nicht ausgesprochenen Kommentare und die Szenarien und Wahnvorstellungen, die sich in seinem Kopf abspielen. Sein Synchronsprecher Yoshitsugu Matsuoka leistet dabei einen ausgezeichneten Job, die unterschiedlichen Tonlagen und Charakterzüge rüberzubringen.

Zwischen Wahnvorstellung und Realität

Nach der ersten festgelegten Route, die die Geheimnisse der Handlung nach und nach aufdeckt, jedoch gleichzeitig allerhand Fragen aufwirft, ist es möglich den charakterbezogenen Szenarien nachzugehen. Hierbei wird jeweils einer der weiblichen Charaktere hervorgehoben, ihr Bezug und die Beziehung zu Takuru dargestellt und neue Erkenntnisse vermittelt, die wichtig für die Hauptgeschichte sind. Wurde bislang zwischen alltäglichem Schulleben und dem Lösen der Mordserie gewechselt, sind die Themen der anderen Routen nun von sehr unterschiedlicher Natur. Mal total verrückt, mal sehr traurig und brutal, dann gibt es wiederum einige fröhliche Momente. Es wird schnell klar, dass bei Chaos;Child der Aufbau einer romantischen Beziehung nicht im Vordergrund steht. Dementsprechend sollte man sich keine Hoffnung auf herzerwärmende Enden machen, denn die Chance ist größer, dass das Herz in kleine Stücke zerrissen wird beim Anblick der Ereignisse.

Es besteht die Möglichkeit anhand der gegebenen Hinweise selbst einige Wendungen zu erahnen, aber weitgehend sind diese recht geschickt verpackt und der Leser wird gezielt an der Nase herumgeführt. Manchmal lässt das Spiel fest an eine Sache glauben, nur um am Ende zu zeigen, dass doch alles ganz anders war. Dabei wird nicht streng darauf geachtet, alles aus Sicht von Takuru geschehen zu lassen, sondern gerne mit der Perspektive gespielt und andere Charaktere in den Vordergrund gestellt. Nicht nur der Protagonist entwickelt sich weiter und zeigt sich von verschiedenen, manchmal sogar überraschenden Seiten, auch anderen Figuren wird die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. So kann sich leicht einmal der Eindruck gegenüber diesen komplett ändern – nicht nur zum Positiven. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen in Sachen Charaktere, die mitunter etwas nervig auffallen können und leider nicht gänzlich zufriedenstellend herübergebracht werden, glücklicherweise hält es sich jedoch in Grenzen. Hat man alle Routen geschafft, wird in einem abschließenden Szenario die gesamte Wahrheit aufgedeckt. Auch nach Beendigung regen die Geschehnisse und vor allem das Ende noch sehr zum Nachdenken an.

Gerade im späteren Verlauf wird ersichtlich, dass Chaos;Child viel mehr als nur eine simple Murder-Mystery-Geschichte ist und dass auch andere Themen eine wichtige Rolle spielen. Bereits aus Chaos;Head bekannte Elemente werden hier neu vorgestellt und nehmen direkten Einfluss auf die Geschehnisse. Anfangs mag dies alles noch etwas verwirrend sein, wenn man sich nicht mit dem Vorgänger auskennt, aber es wird darauf geachtet die Informationen gut zu erklären, sodass man sich nicht verloren fühlt. Es wird allerdings ebenfalls auf vergangene Ereignisse hingewiesen, auf die nicht immer genauer eingegangen wird, und einige wenige Figuren aus Chaos;Head mogeln sich mit in die Handlung hinein, spielen hier aber nur eine Unterstützungsrolle. Wer Steins;Gate kennt, welches ebenfalls im gleichen Universum spielt, wird hier übrigens auch nicht leer ausgehen und darf sich auf kleinere Anspielungen freuen.

Ausgebremst wird das spannende Spielerlebnis leider durch so einige zu sehr in die Länge gezogene Szenen und langweilige, unnötige Momente, die man ebenso gut hätte weglassen können. Gerade in den letzten Kapiteln der Anfangsroute ist dies sehr auffällig und man wartet ungeduldig auf das Ende. Trotzdem sollte man sich nicht dazu verleiten lassen Dialoge zu überspringen, denn es ist wichtig den Geschehnissen seine genaueste Aufmerksamkeit zu schenken, um die Geschichte zu verstehen.

Hinzu kommt, dass eine der Spielmechaniken etwas die Atmosphäre der Handlung ruinieren kann, gerade wenn man hier durchgehend die positiven Entscheidungen trifft. Dabei handelt es sich um den sogenannten Delusion Trigger, bei welchem dem Leser verschiedene Szenarien vorgespielt werden. In unregelmäßigen Abständen kann man sich entscheiden, ob man eine positive oder eine negative Delusion von Takuru sehen möchte. Ersteres sind oftmals Fanservice-bezogene oder romantische Szenen, während Letzteres eher Albträumen gleicht und selten gut ausgeht. Auch wenn es nicht ganz ersichtlich ist, spielen diese Entscheidungen eine wichtige Rolle dabei, welches Ende man zum Schluss zu sehen bekommt.

Neben den Delusion Trigger gibt es noch den sogenannten Mapping Trigger. An bestimmten Stellen im Spiel gilt es neu gewonnene Informationen über den Fall noch einmal Revue passieren zu lassen. Dies ist keine wirklich schwierige Detektivarbeit, aber dennoch eine nette Idee, um den Spieler direkt am Fall teilnehmen zu lassen.

Schade ist, dass Chaos;Child seine Funktionen nicht erklärt und man einen Blick in die digitale Anleitung werfen muss, um sich darüber schlau zu machen. Ansonsten ist es nämlich nicht ersichtlich, was Delusion Trigger bewirken. Eine genauere Übersicht über die Enden wäre auch schön gewesen. Zumindest kann man sehen, was man schon erreicht hat.

Wie auch in Steins;Gate sind so einige komplizierte Begrifflichkeiten aus dem Bereich der Wissenschaft und allerhand Net-Slang enthalten, was in einem Lexikon nachgeschlagen werden kann. Daneben ist die Visual Novel mit allen nötigen Funktionen ausgestattet. So kann man versehentlich übersprungene Texte noch einmal ansehen, die Gespräche automatisch weiterlaufen lassen oder aber durch das Spiel hindurch skippen. An Speicherständen mangelt es zudem auch nicht und an allen wichtigen Stellen werden automatisch Schnellspeicherungen angelegt.

Unheimliche Atmosphäre

Die Grafiken sind weitgehend einfach gehalten und animierte Szenen nur selten vertreten. Die Farbwahl der Sprites lässt sich als kräftig und hell bezeichnen, womit sie im direkten Kontrast zur düsteren Atmosphäre und den oftmals tristen Hintergründen stehen. Durch Mundbewegungen und Augenblinzeln wurde den Charakteren etwas Leben eingehaucht, auch werden sie je nach Situation von vorne oder von hinten gezeigt. Die Qualität der Event-Bilder schwankt leider etwas.

Sehr gelungen ist das Zusammenspiel von Sound, Musik und Darstellung. Weitgehend ist die Hintergrundmusik einfach Teil des Spiels, ohne wirklich aufzufallen, aber sobald es um düstere und spannende Szenen geht, trägt sie einen wichtigen Teil zur Atmosphäre bei. Besonders wenn man Chaos;Child ohne Licht und mit Kopfhörer spielt, kann es ganz schön unheimlich werden, gerade wenn man gut darin ist sich in die Szenen hineinzudenken und mit den Charakteren mitzufühlen. Das wiederholte rhythmische Klopfen an Türen und die Existenz der sogenannten Sumo-Aufkleber werden dem Spieler auf jeden Fall noch lange in Erinnerung bleiben. Ebenfalls lobenswert ist die japanische Synchronisation. Die Sprecher haben hier einiges zu meistern und erfüllen ihren Job wirklich gut.

Leider sind beim Testmuster einige Probleme mit der Sprachausgabe aufgetreten, wo nicht ersichtlich wurde, woran es liegen könnte. Beim ersten Mal wurde urplötzlich ein einzelner Satz, inklusive Schrei, total laut über den PlayStation-4-Controller abgespielt. Danach geschah es in komplett zufälligen Momenten, dass einzelne Charaktere ihre Sätze nicht gesprochen haben, obwohl diese vertont sind. Dieses Problem zog sich durch das gesamte Spiel.

Bei der Lokalisierung fragt man sich, ob Herausgeber PQube nicht versehentlich eine unfertige Version veröffentlicht hat. Während die Übersetzung durchaus solide ist und sich gut am Original hält, gibt es immer mal wieder Momente, wo Dinge nur halb oder gar nicht übersetzt sind. Darunter fällt, neben den Kapiteltiteln und einigen wenigen Sätzen an Routenenden, auch die Karte von Shibuya. Weil Letzteres in einen Mapping Trigger mit eingearbeitet ist, kann dies schon etwas frustrieren. Bei Internetseiten und sonstigen Elementen wurde weitgehend nur das Wichtigste übersetzt und alles drumherum steht noch auf Japanisch dort. Etwas störend sind zudem die vielen Fehler, die sich durch die Dialoge und Beschreibungen ziehen. Hinter bestimmten Begriffen fehlt regelmäßig das Leerzeichen, Wörter wurden ab und an doppelt geschrieben, Namen der Charaktere vertauscht und in zwei Fällen wurde ein komplett falsches Wort verwendet. Eine Person hatte zudem seltsamerweise, anstelle ihres eigenen Namens, durchgehend ‘Unknown’ neben dem Textfeld stehen. Bleibt zu hoffen, dass hier noch ein Patch nachgereicht wird.

Fazit

»Chaos;Child ist eine ausgezeichnete Murder-Mystery-Visual-Novel, die gerade in Sachen Atmosphäre punkten kann. Auch andere Themen, wie der Zusammenhang zwischen Wahnvorstellungen und Realität, werden hier behandelt. Die Handlung ist in mehrere Routen aufgeteilt, die allesamt unterschiedlich sind, und erst das wahre Ende wird die gesamte Wahrheit enthüllen. Auf dem Weg dorthin gibt es eine bizarre Mordserie zu lösen, die mit allerhand gut überlegten Wendungen und Enthüllungen versehen ist. Hierbei spielen auch die Charaktere eine wichtige Rolle, diesen wurde genug Entwicklung spendiert. Gerade der Protagonist zeigt sich vielschichtig und faszinierend. Die Geschehnisse und Thematiken regen auch nach Beendigung noch sehr zum Nachdenken an. Leider gibt es so einige Szenen, die endlos in die Länge gezogen werden oder aber einfach nur unnötig und langweilig erscheinen und es wird auch nicht ersichtlich, wie genau man nun die verschiedenen Enden erreicht. Einige der positiven Delusions fügen sich ebenfalls nicht immer gänzlich passend in das Gesamtbild ein.

Chaos;Child ist für Fans von Steins;Gate und der Science-Adventure-Reihe auf jeden Fall ein Must Have! Wer gerne gut geschriebene Mystery-Geschichten liest oder Spiele wie Corpse Party mag, darf allerdings auch gerne einmal einen Blick riskieren. Man muss allerdings beachten, dass diese Visual Novel sehr viel Zeit in Anspruch nehmen wird (über 50 Stunden) und aufgrund des Gore-Gehalts und der Horror-Atmosphäre nichts für zarte Gemüter ist.«

 

Weitgehend gut geschriebene Murder-Mystery-Geschichte mit schönen Wendungen und Enthüllungen.
Neben dem Lesen darf man zwischen positiven und negativen Delusions entscheiden und ab und an etwas Detektivarbeit leisten.
Eher einfach gehalten mit einigen wenigen Animationen, Farbwahl der Sprites steht im direkten Kontrast zur Atmosphäre, Qualität von Event-Bildern schwankt.
Soundtrack und Geräusche passen sich gut der Atmosphäre des Spiels an, gelungene japanische Synchronisation.
Verschiedene Routen und Enden, sehr lange Geschichte (über 50 Stunden Lesezeit), nichts für zarte Gemüter und schwache Nerven.

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Brandybuck« (18. Oktober 2017, 20:55)


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