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Mittwoch, 27. September 2017, 18:10

Im Test! Tokyo Dark

Allein unter Männern arbeitet sich Detektivin Itō Ayami erfolgreich in der Polizeidirektion Tokio hoch. Sie teilt sich eine kleine, aber feine Wohnung in einem ruhigen Viertel mit ihrem Freund und Kollegen Tanaka und ihrer geliebten Katze Mrs. Fluffington. Alles verläuft nach Plan, alles passt, Ayami ist glücklich. Doch nach einem schicksalhaften Tag geht ihr Leben regelrecht den Bach runter.

Tokyo Dark ist eine düstere Visual Novel mit Point-and-Click-Elementen von Entwickler Cherrymochi für Steam. Der 2D-Scroller ist eines der Projekte, die im Rahmen von Square Enix Collective vorgestellt wurden – einer Plattform, die aufstrebenden Indie-Entwicklern eine Bühne gibt, ihr Spiel bekannt zu machen und sich von anderen Spielern bewerten zu lassen.

Decisions, Decisions…

Wie eingangs erwähnt übernehmt ihr die Rolle von Ayami. Dabei steuert ihr die junge Frau horizontal durch handgezeichnete Kulissen Tokios. Während eurer Erkundungstouren ploppen Quadrate auf, die euch eine Auswahl an Handlungsmöglichkeiten anzeigen. Beispielsweise „Sprechen“, „Aufheben“ oder etwas einfach nur ansehen. Das gleiche Quadrat zeigt euch in einem Gespräch eure unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten an. Damit könnt ihr entweder einfach simple Informationen auswählen, eure Herangehensweise an ein Problem beeinflussen oder sogar den Ausgang des Spiels verändern. Letzteres ist jedoch erst gegen Ende möglich und wird durch sehr offensichtliche Entweder-oder-Entscheidungen präsentiert. Bei erneutem Durchspielen ist es also nicht schwer, ein neues der elf Enden freizuschalten. Man munkelt jedoch von einem versteckten Ende. Wie man das wohl findet?

Ich glaub‘ ich S.P.I.N.

Vorweg eine kurze Entschuldigung für diese Kapitelüberschrift, ich konnte sie mir einfach nicht verkneifen. So, weiter im Text: Nicht nur getroffene Entscheidungen beeinflussen die Dialoge – die sogenannte S.P.I.N.-Anzeige hat ebenfalls Einfluss auf den Verlauf eines Gesprächs. An dieser Stelle muss eine kurze Erklärung her: Sanity, Professionalism, Investigation und Neurosis sind Bestandteile dieser Anzeige. Nehmt ihr eine heiße Spur auf, dann steigen eure investigativen Fähigkeiten, werdet ihr Zeuge von etwas Schrecklichem, rückt ihr näher in Richtung Wahnsinn und so weiter. Je nachdem wie es auf der S.P.I.N.-Anzeige aussieht, so verlaufen auch diverse Gespräche, denn Ayamis Wahrnehmung hat sich verändert. Auch die Art und Weise, wie andere Menschen sie sehen, hängt von den vier Balken der S.P.I.N.-Anzeige ab – beispielsweise wirkt eine absolut unprofessionelle Polizistin sowohl auf Kollegen als auch auf Zeugen ganz unterschiedlich. Dies gibt den zahlreichen Dialogen interessante Nuancen und macht ein erneutes Durchspielen etwas abwechslungsreicher. Aber wirklich große, bedeutende Veränderungen konnte ich noch nicht entdecken.

Hinter den bunten Fassaden Tokios

»Die Soundkulisse von Tokyo Dark ist eine der großen Stärken. Die Musik versetzt immer in die gewollte Stimmung und trifft dabei den Nagel auf den Kopf.«

Die vielen und langen Konversationen zusammen mit dem Treffen von Entscheidungen sind wohl das Herzstück von Tokyo Dark, denn Rätsel oder sonstige Geschicklichkeitseinlagen sind kaum vorhanden. Die düstere und mysteriöse Story des Spiels ist aber interessant genug, um bei Laune zu bleiben. Klar hat ein Titel mit solcher Textlast auch seine Längen, teilweise ging es recht zäh voran. Der Wille zu erfahren, wie es weiter geht und was hinter Tokios bunter Fassade steckt, bietet jedoch einen guten Ansporn weiterzumachen. Gleichzeitig beweist das Spiel stellenweise auch Humor und lockert damit das drückend-düstere Geschehen auf und bietet so Momente zum Durchatmen. Es sind besonders die witzigen Parts, die Ayami mehr Persönlichkeit verleihen. Sie zeigen, dass sie mehr ist als die traurige, verzweifelte Detektivin, die davon besessen ist, den Fall zu lösen. Weiterhin begegnet man einigen interessanten Charakteren. Nicht jeder ist auf den ersten Blick das, was er zu sein scheint. Leider gibt es aber auch NPCs, die eindimensional und voller Klischees sind. Dahinter steckte vielleicht der Gedanke, eine überzeichnete Karikatur eines Stereotypen darzustellen. Diese wirken aber eher deplatziert und öde.

Guter Cop, böser Cop

Tokyo Dark präsentiert sich in buntem Anime-Stil und sieht dabei meist sehr gelungen aus. Es gibt aber teils Schwankungen in der Qualität. Während die Protagonistin detailliert und proportional wirkt – sofern es der jeweilige Artstyle eben zulässt –, zeigen andere Charaktere da ein anderes Bild. Hier geht es nicht nur darum, dass einige Nebendarsteller weniger Details haben. Vielmehr sehen manche Figuren schlicht austauschbar und seltsam aus. Als hätte der Zeichner sein ganzes Talent an bestimmte Charaktere verschwendet und hatte für andere nicht genug übrig. Vielleicht tut sich dieser auch einfach schwer damit, Männer zu zeichnen.

Bei den Hintergründen ergibt sich ein ähnliches Bild. Manche Kulissen sind atmosphärisch und detailverliebt. Andere wiederum sind weniger beeindruckend, denn sie wirken etwas leer, vielleicht sogar etwas laienhaft. Insgesamt schneiden dunklere Orte besser ab, da das Spiel von Licht und Schatten mehr Leben in die Umgebung einhaucht. Unterm Strich sind die Kulissen von Tokyo Dark durchwachsen, aber nie schlechter als grundsolide.

Erfreulicherweise haben die Entwickler noch ein paar Augenleckerlis eingebaut. Bei bestimmten Situationen gibt es hübsch gezeichnete Bilder, die den ganzen Bildschirm füllen. Außerdem gibt es seltene, kurze Anime-Schnipsel. Die sehen zwar nicht ganz so weich und poliert aus wie die Figuren im Gespräch, können sich aber durchaus sehen lassen. Diese kleinen Einlagen bieten den Augen etwas Abwechslung und werten das optische Geschehen auf jeden Fall auf.

Gänsehautmomente

Die Soundkulisse von Tokyo Dark ist eine der großen Stärken des Spiels. Die Musik versetzt immer in die gewollte Stimmung und trifft dabei den Nagel auf den Kopf. Ob gruselige, dröhnende Töne mit verzerrten Stimmeffekten, pumpende Disco-Beats, das federleichte Lied in einem Maid-Kaffee – für Abwechslung ist gesorgt. Besonders in Momenten von Angst und Terror jagt einem die Musik regelrechte Schauer über den Rücken. Kopfhörer sind hier sehr empfehlenswert.

Eine vertonte Sprachausgabe gibt es in dem Sinne nicht. Lediglich ein paar Wörter und Ausrufe gibt es zu hören. Ansonsten gilt hier lesen, lesen, lesen.

Kein schwieriger Fall

»Tokyo Dark bietet eine spannende Geschichte, die einige Geheimnisse und Rätsel bereithält. Optisch werden einige Schmankerl geboten, auch wenn es insgesamt ein durchwachsenes Bild gibt. Da ist die Prognose rund um das Thema Akustik sehr viel eindeutiger, denn das Spiel klingt einfach super.

Besonders zum Ende hin entfaltet sich die Story und es tun sich immer mehr Abgründe auf. Diese Tatsache hält die Motivation oben, auch wenn das Spiel stellenweise einfach zu schleppend vorangeht. Die Tatsache, dass man den Verlauf der Handlung, manchmal subtil und manchmal stark, beeinflussen kann, gibt dem Titel Wiederspielwert. Man muss sich trotzdem vor Augen halten, dass das Spiel einer festen Handlung folgt und man bis auf die großen, offensichtlichen Entscheidungen gegen Ende keine völlig neue Route einschlagen kann.

Letztendlich kann man sagen, dass Tokyo Dark mit seinen etwa sechs Stunden Spielzeit ein düsteres Unterhaltungserlebnis bietet und auf ganz positive Weise bedrückend und verstörend sein kann. Wer das Spiel wegen der Point-and-Click-Elemente spielen will und mit einer Visual Novel nicht viel anfangen kann, dem kann ich keine uneingeschränkte Empfehlung geben. Bei allen anderen ist es kein schwieriger Fall – es kann bedenkenlos zugegriffen werden!«

 

Düstere Story mit Geheimnissen, die gelüftet werden wollen. Ein bisschen Humor lockert die ganze Sache wunderbar auf.
Ein bisschen Point-and-Click mit vielen, langen Dialogen und Entscheidungen, die es zu treffen gilt.
Hübscher Anime-Stil, der leider kein beständiges Bild abgibt und in der Qualität schwankt.
Tolle, atmosphärische Musik, die jede Situation gut einfängt.
Das Spiel hält elf Enden bereit, sogar ein verstecktes Ende soll es geben.

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Donnerstag, 28. September 2017, 16:00

Schön, dass Tokyo Dark hier seinen Weg ins Test-Center gefunden hat. ^^ Bin die letzten Jahre immer mal wieder auf Siliconera und Co. über diesen Indie-Titel gestolpert, hab die Entwicklung samt Kickstarter etc. aber nicht wirklich verfolgt. Interesse war allerdings von Anfang an da, also gut zu wissen, dass sich das Endergebnis sehen lassen kann. Werd vllt. noch ein wenig abwarten und schauen, ob in den nächsten Monaten nicht nochmal ein PSN-Release bzw. die Vita-Version wieder ins Gespräch kommt (oder Switch; zumindest war WiiU iwann mal geplant), aber auch auf PC werd ich iwann sicher zugreifen.

Schwankungen in der Qualität der Illustrationen bzw. grafischen Präsentation zeigen sich leider bei nicht wenigen kleinen Indie-Studios (auch Cherrymochi scheint im Kern lediglich aus drei Personen zu bestehen), die sicher gelegentlich darauf angewiesen sind, für bestimmte Arbeiten Außenstehende zu engagieren. Schade, wenn dadurch nicht durchgängig ein einheitlicher Stil gewahrt werden kann, aber bei einem beschränkten Budget irgendwo auch verständlich.
Was die Illustrationen in TD betrifft… jaa, der Zeichnerin scheinen männliche Charaktere nicht allzu sehr zu liegen. Hab aber gerade mal einen kurzen Blick in ein LP geworfen und finde die Chars vom Design her dennoch recht abwechslungsreich.

3

Donnerstag, 28. September 2017, 17:35

Hmm, es wurde ja überraschend sogar von vielen normalen Spieleseiten getestet. Leider meist eher Richtung "vernichtend". Ich werde es mir wohl mal irgendwann in einem Sale für max. 5 Euro gönnen, da es mich thematisch und vom Stil her schon anspricht.

4

Donnerstag, 28. September 2017, 20:13

^ Hatte vorhin im Zuge meines Posts auch noch ein wenig nach anderen Bewertungen gestöbert, bin dabei aber über keine gestolpert, die Tokyo Dark im negativen Sinne auseinander nimmt. Das Urteil lag meist irgendwo zwischen "gut, mit einigen Schwächen" und "durchwachsen". Sicher werd ichs auch nicht zum Vollpreis mitnehmen (digitale Titel eigentlich nie, ob Indie oder nicht), aber mich würd schon interessieren, was da von einigen Testern so bemängelt wird.

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