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Samstag, 2. August 2014, 15:00

Culture Slot History: Einheit 731 - Vergessener Holocaust

Seit wir mit unserer Rubrik Culture Slot angefangen haben, haben wir euch bereits einige Besonderheiten und Eigenheiten der japanischen Kultur nähergebracht. In dieser speziellen Ausgabe des Culture Slots gehen wir erstmals auf ein geschichtliches Thema Japans ein – die Einheit 731. Gleich zu Beginn möchten wir allerdings betonen, dass dieser Artikel ein sehr ernstes und schockierendes Thema behandelt und mitunter grausame Details enthält.

Joseph Mengele war nicht der einzige, der die Kriegsmaschinerie der 30er und 40er Jahre für fürchterliche Versuche an lebenden Menschen nutzte. Während Antisemitismus und Holocaust in Europa Millionen Opfer forderten, kam es ab Beginn der 30er Jahre in Asien zu einem beinahe ähnlichen Verbrechen an der Menschheit. Imperialistisches Denken und die Befürchtung, im Krieg unterlegen zu sein, führten zur Entstehung der geheimen Einrichtung Einheit 731, die für den Tod von mehreren Tausend Zivilisten verantwortlich ist und von deren Existenz bis heute fast kaum jemand weiß.

Culture Slot-Unit 731_Ishii

Shirō Ishii, der Mann hinter Einheit 731

Zu Beginn der 30er Jahre befand sich das Japanische Kaiserreich in einer erdrückenden Situation. Das Land war von der Weltwirtschaftskrise schwer getroffen und trotz erster Expansionen, wie die Annexion Taiwans während des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges und später auch Koreas, waren die Ressourcen des Landes fast aufgebraucht. Dies war auch der Grund, warum Japan begann, verstärktes Interesse für die Mandschurei, den nordöstlichen Teil Chinas, zu hegen, welche als sehr rohstoffreich galt. Schon zu Beginn des Jahrhunderts stritten sich Japan und Russland um die Ressourcen der Mandschurei, doch die gezielte Besetzung durch Japan begann erst Ende 1931 und führte zur Entstehung des Marionettenstaats Manzhuguo, welcher bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bestehen bleiben sollte. Hier sollten in den kommenden Jahren auch die Verbrechen der Einheit 731 stattfinden.

Einheit 731 wurde 1932 als Geheimeinheit der japanischen Armee gegründet, Generalleutnant Shirō Ishii übernahm während der gesamten Zeit die Rolle des ärztlichen Leiters. Offiziell sollte sich die Einheit mit der Prävention von Epidemien und der Wasserversorgung befassen, tatsächlich tat sie allerdings genau das Gegenteil. Ishii war davon überzeugt, dass andere Nationen, damals vor allem Russland, welches durch den japanischen Imperialismus der größte Feind war, bereits im Besitz von biologischen und chemischen Waffen seien und es erforderlich sei, dass Japan eigene Forschungen auf diesem Gebiet anstelle.

Kaiser Hirohito stimmte Ishiis Ideen zu, allerdings hatte das japanische Militär zu dieser Zeit auch einen enormen Einfluss auf die Politik. Hinzu kommt, dass Ishii aus einer angesehenen und einflussreichen japanischen Familie stammte, auch wenn ehemalige Angestellte der Einheit ihn als unmoralisches Monster beschreiben. Eines der ersten Ziele der Einheit war Chlorgas, welches Deutschland bereits während des Ersten Weltkrieges eingesetzt hatte und von dessen Effektivität man in Japan begeistert war. Es war besonders wichtig, dass die Experimente der Einheit geheim blieben, denn Japan hatte 1925 das Genfer Protokoll unterzeichnet. Dieses verbot den Einsatz von biologischen oder chemischen Waffen und sollte mit den Jahren mehrfach durch die Versuche von Einheit 731 verletzt werden.

Die Errichtung der ersten Versuchsstation, der Zhongma-Festung, folgte kurz nach der Gründung der Einheit im Jahr 1932 nahe der Stadt Harbin. Die Festung war ein Gefängnis, das Platz für hunderte Insassen bot sowie eigene Labore und Krematorien besaß. Während der Anfangsjahre der Einheit zählten zu den Gefangenen überwiegend Chinesen und Russen, die später aus dem besetzten China nach Harbin deportiert wurden. 1934 kam es im Gefängnis zu einer Explosion, in deren Folge viele der Gefängnisinsassen flohen. Einheit 731 reagierte sofort auf die Ereignisse und errichtete 1935 einen neuen, noch größeren Gefängniskomplex im nahegelegenen Pingfang. Dieser bestand aus 150 Einzelgebäuden, die sich über eine Fläche von 6 km² erstreckten. Das Gefängnis bot Platz für 500 Menschen, außerdem konnte man nun in großen Mengen Bakterien kultivieren, die später in der Entwicklung von biologischen Waffen genutzt wurden.

Culture Slot History-Einheit 731_Vivisektion

Nachbildung einer Vivisektion im Museum

Heute wird geschätzt, dass Einheit 731 zirka 50 verschiedene Experimente durchführte. Umgesetzt wurden diese von den angesehensten Wissenschaftlern und Ärzten Japans, die der Meinung waren, dass sie mit ihrer Arbeit Japan dienten. Zu den Experimenten zählten ab 1941 die gezielte Infektion mit dem Typhuserregern. Die Erreger wurden den Gefangenen über kontaminierte Nahrung zugeführt, die Essensverteilung gefilmt und anschließend zu Propagandazwecken genutzt. Des Weiteren wurden Vivisektionen, also Sezierungen am lebenden, unbetäubten Menschen durchgeführt. Die Gefangenen, die diese Prozedur über sich ergehen lassen mussten, wurden als maruta – Holzklötze – bezeichnet. Laut Berichten gaben die Soldaten am Ende des Tages untereinander damit an, wie viele Holzklötze sie am Tag „gefällt“ hatten. Bei all diesen Experimenten wollte man sehen, wie der Körper und die Organe auf die verschiedenen Bedingungen reagieren. Ähnlich wie im Konzentrationslager Dachau erprobte Einheit 731 auch, welche Wirkung Unterkühlung und Druckunterschiede auf den menschlichen Körper haben. Man untersuchte auch den Schaden, den Bomben aus unterschiedlichen Distanzen verursachen. Hierfür fesselte man Gefangene an Holzplanken, die kreisförmig um eine Bombe angeordnet waren.

Die Gefangenen überlebten im Durchschnitt 4 bis 6 Wochen nach ihrer Ankunft, nach dem Tod wurden ihre Leichen in den Krematorien verbrannt. Japan befand sich ab 1937 im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, welcher später nahtlos in den Zweiten Weltkrieg überging. Dieser Umstand garantierte der Einheit praktisch dauerhaft Gefangene und somit Testpersonen. Während all dieser Experimente starben über 3.000 Männer, Frauen und Kinder, die überwiegend aus China, aber auch aus Russland und Korea stammten. In den frühen 40er Jahren begann Einheit 731 dann mit Feldversuchen, die verheerende Folgen für die umliegenden Dörfer und Städte hatten und die Zahl der Todesopfer hochschnellen lassen sollten.

Culture Slot History-Einheit 731_Infektion

Nachbildung einer gezielten Infektion im Museum

Zu den Feldversuchen gehörte etwa die Verbreitung des Pesterregers über Flöhe und Ratten. In den Jahren 1939 bis 1942 kam es in den nahegelegenen Dörfern immer wieder zum Ausbruch der Pest, sodass ganze Familie der Krankheit innerhalb von wenigen Tagen erlagen. Die Erreger der Krankheit, pestinfizierte Flöhe, züchtete Einheit 731 auf dem eigenen Gelände, wobei sie die Gefahr anfangs unterschätzte. Bei der Arbeit mit dem gefährlichen Erreger sollen auch über 1.500 Angestellte der Einheit gestorben sein. Durch diesen Verlust entstand allerdings auch eine der biologischen Waffen von Einheit 731: Die Pestbomben. Diese waren ebenfalls mit pestinfizierten Flöhen gefüllt, die einen Aufschlag der Bombe überlebten und wodurch noch gezieltere Angriffe möglich waren. Mit dieser Waffe plante die Einheit Angriffe auf ihre Feinde, die man nach Pearl Harbour vor allem in den USA sah.

Durch den Zweiten Weltkrieg und die Unterbringung von amerikanischen Kriegsgefangenen in der mandschurischen Hauptstadt Mukden hatte die Einheit nun die Möglichkeit auf direkten Kontakt mit Amerikanern. Ehemalige Kriegsgefangene berichten, dass Ärzte der Einheit sie besucht und „behandelt“ hätten. Anschließend wurden bei ihnen verschiedene Krankheiten festgestellt. Des Weiteren sollen einige der Gefangenen aus dem Kriegsgefangenenlager nach Pingfang verlegt worden und nie wieder zurückgekehrt sein. Gegen Ende des Krieges wurden außerdem Angriffe auf das amerikanische Festland mittels Heißluftballons geplant. Zunächst begann man mit Testflügen, die statt biologischen Waffen Bomben transportierten, wovon aber eine Vielzahl nicht mal die Westküste erreichte. Einer dieser Heißluftballons stürzte jedoch im Mai 1945 im Bundesstaat Oregon ab – bei der dadurch ausgelösten Explosion starben fünf Kinder und eine schwangere Frau.

Die Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki veränderten die Welt und die japanische Kapitulation sollte sowohl das Ende des Krieges als auch das von Einheit 731 einläuten. Kaiser Hirohito befahl Ishii sämtliche Hinweise über die Existenz der Einheit zu vernichten. Dabei wurde auch der Standort in Pingfang zusammen mit 400 Gefängnisinsassen vernichtet. Ishii selbst versuchte von nun an, der Schuld als Kriegsverbrecher zu entgehen und so kam es zu einem mehr als unmoralischen Geschäft zwischen den Mitgliedern der Einheit 731 und den USA.

Culture Slot History-Einheit 731_Museum

Ein Gebäude des Komplexes wurde zu einem Museum umgebaut und erinnert an die Taten der Einheit

Obwohl man versucht hatte, die Spuren von Einheit 731 zu verwischen, hatten die Amerikaner von den Taten Ishiis erfahren und hegten nun Interesse an deren Ergebnissen. Für Ishii kam das gelegen und so bot er ein Tauschgeschäft an. Die Amerikaner erhielten ausgewählte Informationen und Ishii und seinen Angestellten wurde im Gegenzug Immunität versprochen. Da sich zu dieser Zeit schon der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion abzeichnete, profitierten beide Seiten von dem Geschäft und so einigte man sich 1948. Der Kriegsverbrecher Ishii konnte so bis zu seinem (natürlichen) Tod 1959 straffrei leben und wurde mancherorts sogar noch als Held gefeiert.

Welches unglaubliche Leid die Tests der Einheit für die Bevölkerung der Mandschurei auch nach dem Ende der Einheit bedeuteten, verdeutlicht das Jahr 1947. Zwei Jahre nach Kriegsende brach in der Nähe von Harbin erneut die Pest aus und forderte weitere 30.000 Menschenleben. Eine Gesamtzahl der Opfer von Einheit 731 lässt sich kaum beziffern, allerdings waren vermutlich mehr als Hunderttausend Zivilisten allein von den Feldversuchen betroffen.

In Japan wurden die Taten von Einheit 731 lange Zeit geleugnet, weshalb bis heute viele Leute nichts über dieses Kapitel der japanischen Geschichte wissen. Die Forderung nach Entschädigungen für die Nachkommen der Opfer wurde abgelehnt und auch die USA haben sich nie öffentlich zu ihrer Rolle in dieser Angelegenheit geäußert.

via wikipedia (1)(2), taz, YouTube

 

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Samstag, 2. August 2014, 15:18

Mir ist die Einheit seit den "Men Behind the Sun"-Filmen ein Begriff! Wer sich für die sehr harten Streifen interessiert, der kann sich die Filme seit Anfang 2012 in einer "The Historical Edition" mit deutscher Tonspur anschauen - allerdings fehlen gut 9 Minuten an Gewaltszenen!

Tarnastur

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Samstag, 2. August 2014, 15:23

Auf der einen Seite Respekt dafür, dass ihr den Mut besitzt ein so ernsthafter Thema anzusprechen und darüber kompakt zu informieren! Auf der anderen Seite denke ich persönlich, dass diese Art von Auseinandersetzung mit geschichtlichen Themen nicht in einem Forum über japanische Videospiele stattfinden sollte, insbesondere da mir hier wirklich der Bezug zum Hauptthema der Internetseite fehlt.

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Samstag, 2. August 2014, 15:41

Also davon wusste ich ja noch garnichts. Ich dachte immer Joseph Mengele war der einzige der solche Experimente an menschen gemacht hat. Aber gut, überraschen tut mich das nicht wirklich schließlich waren Deutschland und Japan im WW2 verbündete.

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Samstag, 2. August 2014, 18:26

Also davon wusste ich ja noch garnichts. Ich dachte immer Joseph Mengele war der einzige der solche Experimente an menschen gemacht hat. Aber gut, überraschen tut mich das nicht wirklich schließlich waren Deutschland und Japan im WW2 verbündete.


Eher muss man fragen wer hat das nicht gemacht?
Auch die Russen haben unter Stalin mit Menschen experimentiert. Die Amis haben ab dem ersten Weltkrieg ebenso angefangen und sogar noch bis in die 70er Jahre betrieben (über 100k Tote).

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Samstag, 2. August 2014, 21:01

Parallel zur Historical Edition, wurden Teil 1 und 2 [Laboratory of the Devil] via Shock ungeschnitten veröffentlicht.

Die Hintergründe über diese Einheit sind mir auch schon länger bekannt, verstehe aber ebenfalls nicht so recht den Bezug des Themas zu dieser Seite.

Alhym

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Samstag, 2. August 2014, 21:08

Danke für die Recherche. Von dieser Einheit hatte ich auch noch nie etwas gehört.

Ich finde es deshalb interessant, weil meiner Meinung nach eine gewisse Verherrlichung der japanischen Gesellschaft eintritt. Es wäre ganz toll, dort zu leben usw.
Dabei ist, laut Auskunft von Leuten die sich auskennen, Japan z.b. ein sehr ausländerfeindliches Land. So dürfen Ausländer keine Häuser mehr besitzen. Sie dürfen da praktisch arbeiten, aber sollen nachher bitte wieder Leine ziehen ^^ Sozialleistungen sind auch nicht drin für Ausländer. Man stelle sich vor, man würde das in Deutschland einführen. Die Frauen gelten da auch nicht so viel: es ist ungewohnt, wenn eine Frau eine eigene Meinung hat in Osaka z.b.

9

Samstag, 2. August 2014, 21:27

Eher muss man fragen wer hat das nicht gemacht?
Auch die Russen haben unter Stalin mit Menschen experimentiert. Die Amis haben ab dem ersten Weltkrieg ebenso angefangen und sogar noch bis in die 70er Jahre betrieben (über 100k Tote).


Ja gut das stimmt natürlich. Der Russe hat nachdem WW2 weiterhin Buchenwald und andere KZs benutzt um Menschen zu töten. Auch die Amis haben genug Dreck am stecken. (warscheinlich sogar weitaus mehr als (Nazi) Deutschland) Mir sagte halt dieser Shirō Ishii und seine Einheit 731 bis Heute nichts. Ich hätte nicht gedacht das es einen zweiten Joseph Mengele gab.

Prevailer

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Samstag, 2. August 2014, 22:39

Ich fand das auch sehr interessant und lehrreich und habe davon ehrlich gesagt noch nix gehört.

Zum Bezug: hat in etwa so viel Bezug wie die japanischen Weihnachtskekse, über die wir auch schon im Culture Slot berichtet haben. Der einzige Bezug ist eben Japan =) Nur keine Kekse, sondern 2. Weltkrieg. Bei den Keksen hat sich keiner gewundert ;)

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