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Sonntag, 23. Juni 2013, 13:00

Culture Slot: Hashima - Entstehung einer Geisterinsel

Silent Hill und Racoon City sind nur zwei Beispiele für Orte, die uns Gamer das Fürchten gelehrt oder uns durch ihre Atmosphäre Gänsehaut bereitet haben. Doch die unglaublichsten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst und so gibt es auch im realen Leben genügend Orte, deren Geschichte uns sehr bewegt. Im heutigen Culture Slot soll es um genau so einen Ort gehen, denn wir möchten euch die Insel Hashima vorstellen.

Hashima bedeutet auf japanisch Grenzinsel und wurde so genannt, da sie vom Festland aus betrachtet die westlichste Insel Japans ist. Aufgrund ihrer markanten Form und Silhouette nennen die Japaner sie aber auch Gunkanjima, was etwa soviel wie „Kriegsschiff-Insel“ bedeutet. Hashima zeigt auf eindrucksvolle, aber auch schockierende Art, wie kurzlebig unsere Gesellschaft ist. Die winzige Insel wurde innerhalb von 90 Jahren zunächst zum Ballungsraum für Tausende Menschen und anschließend zur Geisterinsel. Bis heute.

Gunkanjima: Schon vom Meer eine einzigartige Erscheinung

Seit der Bevölkerung der Insel im Jahr 1887 war die Insel für ihre unterseeische Kohleminen bekannt und damit auch ein Grund für die schlagartig steigende Bevölkerung. Die ursprüngliche Fläche betrug dabei gerade mal 4 ha. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Insel erweitert und erreichte so ihre heutige Fläche von etwa 6,3 ha. Anfang des 20. Jahrhundert wurde Kohle immer begehrter und so kaufte Mitsubishi Hashima für 100.000 Yen. In Folge dessen ließ das Unternehmen den Abbau des wertvollen Rohstoffs ausbauen. Die neuentstandenen Arbeitsplätze lockten viele Japaner nach Hashima und seinen Kohleminen. Doch die Arbeiter kamen selbstverständlich nicht alleine, sondern brachten ihre Familien mit, was auch an den vielversprechenden Lebensbedingungen lag. Laut ehemaligen Anwohnern waren diese damals nämlich überdurchschnittlich gut für japanische Verhältnisse. Man versprach den Arbeitskräften unter anderem Fernseher und Kühlschränke – und die Leute kamen. Die Arbeitskräfte erhielten ihre Wohnungen, doch der Ansturm war so groß, dass es bald keinen Platz mehr auf Hashima gab.

Die Insel Hashima zu ihrer Blütezeit

Deshalb begann man damit, die geringe Fläche maximal zu nutzen und so entstanden auf Hashima die ersten mehrstöckigen Wohngebäude Japans. Auch durch unterirdische Erweiterungen wollte man den Platz möglichst effizient nutzen. Die Einwohnerzahl der Insel erreichte mit etwas über 5.200 Menschen ihren Zenit, womit Hashima die höchste je gemessene Bevölkerungsdichte besaß. Ein Vergleich: Auf einen Hektar kamen in Hashima sechsmal so viele Menschen wie im heutigen Tokyo. Trotz dieser wirklich extremen Wohnbedingungen arrangierten sich die Menschen mit der Situation und waren sogar sehr zufrieden. Viele der einstigen Anwohner sagen heute, dass zwischen den Bewohnern der Insel ein starker Zusammenhalt entstand. Hashima war von der Außenwelt unabhängig, besaß Kindergärten (die sich teilweise auf Dächern befanden), Schulen, Badehäuser, einen Tempel, ein Kino und sogar ein Bordell. Was der Insel allerdings fehlte, war ein Friedhof, welchen die Insel eigentlich dringend gebraucht hätte.

Denn bevor die Insel ihren Wohlstand erreichte, wurden Chinesen und Koreaner während des Zweiten Weltkriegs gezwungen auf Hashima zu arbeiten, um den enormen Bedarf an Kohle zu stillen. Die Arbeitsbedingungen waren unmenschlich und so verloren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs etwa 1.300 Menschen ihr Leben in den Tunneln der Minen. Ihre Leichen hinterließ man in abgebauten Schächten oder im Meer. Laut Zeitzeugen waren vor allem Gase und die Instabilität der Schächte die größten Gefahren der Arbeiter, jeden Tag sollen 4-5 Kumpel gestorben sein. Doch das dunkelste Kapitel Hashimas sollte noch kommen. In Folge der Energiereformen der 60er-Jahre verdrängte Erdöl Kohle als wichtigsten Rohstoff und so verlor auch die Insel Hashima an Bedeutung. Im April 1974 ließ Mitsubishi die Minen endgültig schließen, die Bewohner wurden dadurch entweder arbeitslos oder bekamen neue Stellen auf dem Festland versprochen. Familien, die ihre gesamte Existenz buchstäblich auf den

Die Insel heute: Hier befand sich einmal ein Krankenhaus

Kohleminen errichtet hatten, flohen fluchtartig. Nach gerade einmal fünf Tagen war Hashima menschenleer – zu einer Geisterinsel verkommen. Die vielen zurückgelassenen Fernseher und persönlichen Gegenstände zeigen bis heute, wie schnell die einstige Musterinsel zerbrach.

In den kommenden Jahren war es Menschen verboten, Hashima zu betreten, was vor allem am schlechten Zustand der Wohnkomplexe liegt. Denn auch wenn die Insel von einer hohen Schutzmauer umgeben ist, wurde die Substanz der Gebäude durch Salzwasser, starken Wind und Taifune angegriffen. Diese Faktoren führten zu starker Verwitterungen und Einsturzgefahr. Wer die Insel sehen wollte, konnte dies lange Zeit nur in Form von Bootstouren. Anfang des neuen Jahrtausends gab Mitsubishi die Insel an den japanischen Staat zurück. Erst seit April 2009, also ziemlich genau 35 Jahre später, ist es Menschen wieder erlaubt, die Insel zu betreten.

Der rasche Aufstieg und Fall von Hashima ist vielleicht einzigartig, die Gestalt der Insel auf eine gewisse Art fremd. Dies wird auch der Grund sein, warum die Kriegsschiff-Insel mittlerweile sogar als Schauplatz für Filme und Videospiele gewählt wurde. Im aktuellen Bond-Streifen Skyfall war Hashima die Geheimbasis von Bösewicht Raoul Sliva, in Killer7 von Suda51 dient die Insel als Schauplatz für die letzten Level.

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Sonntag, 23. Juni 2013, 13:53

Sowas finde ich wahnsinnig spannend und ich würde dort sehr gern mal rumstöbern.

3

Sonntag, 23. Juni 2013, 15:41

Hab über Hashima mal ne Doku gesehen. Das ist schon echt krass, wie man sieht, wie der Mensch mit seinem Lebensraum umgeht. Ich mein, die ganze Insel besteht ja quasi nur noch aus Müll und Abfall. :( Als ich das in der Doku damals gesehen hab, fand ich das schon irgendwie beängstigend. Ich würde da nicht rumlaufen wollen. Manche Wohnungen sehen ja echt noch so aus, als seien die Leute einfach von heute auf morgen nicht wiedergekommen und hätten alles stehen gelassen.

raz0rback2

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Sonntag, 23. Juni 2013, 16:58

Darüber hab ich auch mal ne Doku gesehn o___O Wahrscheinlich die gleiche?
Schon verrückt. Ansehen würd ich das auch nicht wollen. Durch Tschernobyl reist man ja auch nicht gerade für einen Spaziergang im Wald >_>

Izu

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Montag, 24. Juni 2013, 08:50

Nur das Tschernobyl noch eine viel größere Gefahr darstellt >.< Ich war schon auf der Insel, da gibt es spezielle Führungen auf Holzwegen, die eine Besichtigung erlauben. Extrem spannend und hätte ich meinen Controller dabei gehabt, hätte ich wahrscheinlich auf Schleichmodus geschalten. Das Schlimme an der Insel: man hört nichts, wirklich nichts, außer das Meeresrauschen. Selbst Vögel sind fast nicht zu hören. Das macht irgendwann irre.

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