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Sonntag, 13. Januar 2013, 14:00

Culture Slot: Haustier mal anders - Chitin statt Fell

Hund, Katze oder vielleicht doch eher ein Hamster? Für viele Menschen gehört ein tierisches Familienmitglied einfach zum idyllischen Leben dazu und fast immer fällt die Wahl auf einen haarigen Mitbewohner. So ist es natürlich kein Wunder, dass wir häufig einem Hund oder einer Katze über den Weg laufen, egal ob in den eigenen vier Wänden oder in der Fußgängerzone. Doch neben diesen „Klassikern“ gibt es natürlich noch allerhand andere Haustiere, sodass die eigene Wohnung auch mal ganz schnell zum Tropenwald oder zur Wüstenlandschaft werden kann. Spinnen, Skorpione und Insekten sind allerdings nicht jedermanns Sache und gelten in unseren Regionen fast schon als exotisch.

Ganz anders sieht es da in Japan aus, hier haben Insekten und besonders Käfer einen ganz anderen Ruf. Denn während Kinder bei uns mit Hamster, Hase oder Meerschweinchen aufwachsen, üben in Japan zentimetergroße Käfer eine Faszination auf Kinder aus. In diesem Culture Slot möchten wir euch mehr zu diesen, für uns ungewöhnlichen, Haustieren verraten und mögliche Ursachen für diese große Käferliebe nennen.

Fragwürdig: Ein japanischer Käferautomat

Anders als bei uns, wo Insekten als eklig gelten und dadurch nicht besonders beliebt sind (von wenigen Ausnahmen abgesehen), haben die Japaner eine ganz andere Einstellung zu Käfer, Heuschrecke und anderen. Das liegt unter anderem daran, dass japanische Kinder schon recht früh mit dem Insektennetz durch die Wiesen ziehen und die Lebewesen untersuchen. Nicht selten werden sie dabei von ihren Eltern begleitet, die selbst viele Kindheitserinnerungen mit Insekten verbinden. Zu den beliebtesten Insekten zählen, ähnlich wie hier, Käfer und Grashüpfer aber auch Zikaden.

Vor allem bei Jungen ist die Faszination für Insekten so groß, dass es in Japan den Begriff Konchishonen gibt, der einen Jungen bezeichnet, der gerne mit Insekten spielt. Laut einer Statistik war oder ist einer von zehn japanischen Männern ein Konchishonen. Einige davon haben es auch in die Unterhaltungsbranche geschafft, weshalb wir auch in Videospielen oder Animes immer wieder auf Insekten treffen. So galten die kleinen Lebewesen als Hauptinspiration für den Pokémon-Schöpfer Satoshi Tajiri. Dieser war in seiner Kindheit so sehr in Insekten vernarrt, dass er von seinen Freunden

Konchishonen at work: Die Pokémon-Serie

Konch?-hakase“ genannt wurde, was soviel wie Dr. Insekt bedeutet. Doch auch wenn sich unsere Einstellung zu Insekten in diesem Alter noch ähneln mag, verlieren viele Japaner das Interesse an Insekten nie. Sobald die Kinder älter werden und mit dem Lesen beginnen, stoßen sie immer wieder auf Literatur, in welcher Insekten auftauchen. Eine der bekanntesten Insekten-Geschichten ist die des Buches Mushi Mezuru Himegimi, was in etwa soviel wie „Die Dame die Insekten liebte“ bedeutet. In der fast eintausend Jahre alten Geschichte geht es um eine Prinzessin, die anders als die anderen Mädchen wenig Wert auf ihr Äußeres legt und stattdessen lieber mit Insekten spielt und so das Interesse von Jungen weckt.

Zwar wachsen auch bei uns noch viele Kinder mit Geschichten wie „Die kleine Raupe Nimmersatt“ auf (viele Japaner fürchten sich übrigens vor Raupen), doch geht die Liebe für die Vielbeiner soweit, dass viele Japaner Käfer als Haustiere halten. Selbstverständlich beschränkt sich die Vorliebe aber nicht nur auf Kinder und wie bei allen Haustieren, ist die Preisspanne für einzelne Exemplare groß, sodass es für jeden Geldbeutel den passenden Käfer gibt. Die wohl günstigste und „einfachste“ Möglichkeit, um an den eigenen Käfer zu kommen, ist der Gang nach draußen in die Natur. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, die Käfer am Automaten zu kaufen.

Ja, ihr habt richtig gelesen, Japaner können Käfer auf die gleiche Art kaufen, wie wir es mit einer Cola tun. Für ungefähr 400 Yen (derzeit etwa 3,60 Euro) erhält man an solchen Automaten zwei Käfer. Auch wenn man die Temperaturen des Automaten regulieren kann und Angestellte angeblich täglich den Zustand der Tiere überprüfen, sind viele Japaner (zurecht) gegen diese Automaten. Viele kritisieren, dass gerade Kinder dadurch den Wert des Lebens unterschätzen und einen falschen Umgang damit vermittelt bekommen. Wer seinem Kind also ein gutes Vorbild sein möchte, der nimmt es mit in die Zoohandlung.

Dort werden nicht nur Käfer verkauft, sondern auch sämtliches Zubehör, was Kinder zukünftig für ihren Chitin-Freund brauchen. Als Lebensraum werden oft klare Plastikboxen benutzt, die man ähnlich wie ein Terrarium oder Aquarium gestalten kann – alles eine Nummer kleiner natürlich. Der Boden wird in der Regel mit einem mehr oder weniger feinem Streu ausgekleidet. Außerdem gibt es natürlich Äste, Stämme und sogar Häuser für die Boxen zu kaufen.  Zur Hauptnahrung der Käfer gehört Obst, welches in der Praxis aber einige Komplikationen mit sich bringt. Frisches Obst lockt schon nach wenigen Stunden Fruchtfliegen an, weshalb man das Obst regelmäßig entsorgen und für Nachschub sorgen muss. Deshalb gibt es die sogenannten Beetle Jellys, die aus Obst hergestellt werden, aber keine Fruchtfliegen anlocken.

Die Jellys werden in kleinen Plastikbehältern, welche Kaffeekapseln ähneln, verkauft und enthalten zusätzliche Proteine. Selbstverständlich gibt es hier eine große Auswahl an Geschmacksrichtungen, doch zu den beliebtesten gehören Banane, Zucker und Kokosnuss. Mit Spielzeug kann man seinen Käfern eine zusätzliche Freude bereiten. Das Geschäft mit den Käfern hat Tradition, Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete der erste Laden speziell für Käfer und andere Insekten. Zu den Klassikern unter den Hauskäfern gehören vor allem Hirsch- und Nashornkäfer. Beide kommen in verschiedenen Formen auch in Japan vor und müssen nicht eingeflogen werden. Besonders begehrt bei Liebhabern sind außerdem noch der Herkuleskäfer (mit bis zu 17 Zentimetern der größte Käfer der Welt) und der Goliathkäfer (mit über 100 Gramm der schwerste Käfer der Welt).

Wäre so einer was für euch?

Diese Käfer kommen nicht in Japan vor und müssen daher aus dem Ausland importiert werden. Männliche Exemplare können daher schonmal 350 US-Dollar kosten. Gerade in südamerikanischen Ländern können Menschen sogar durch die Zucht und den Export von speziellen Käfern leben. Genau wie alle anderen Haustiere, bauen auch Käfer mit der Zeit eine Beziehung zu ihrem Besitzer und ihrem Umfeld auf. So sind sie in Gegenwart ihres Besitzers entspannt und ruhig, sollte sich aber eine fremde Person nähern oder der Käfer Angst haben, werden sie unruhig. Doch was kann man mit so einem Käfer als Haustier eigentlich alles machen?

Natürlich freuen sich auch Käfer über etwas Freigang. Man kann sie im Zimmer rumlaufen lassen oder sie auf die Hand nehmen. Einige japanische Kinder lassen ihre Käfer aber auch gerne gegeneinander kämpfen (diese Kämpfe dürften auch Vorbild für Tajiri‘s Pokémonkämpfe gewesen sein), wobei hier in der Regel kein Tier verletzt wird. Bei einem solchen Kampf setzt jedes Kind einen seiner Käfer auf einen runden Baumstumpf. Sobald die beiden Käfer (meist männliche Tiere) aufeinandertreffen, „bekämpfen“ sie sich mit ihren Hörnern, bis schließlich einer der beiden vom Baumstumpf geschubst wird. Ihr seht schon, das Ganze lässt sich mit Sum?ringen vergleichen.

Das vielbeinige Chitin-Haustier wird aber auch in der westlichen Welt immer beliebter. Während vor einiger Zeit noch vor allem tote Käfer bei Sammlern sehr beliebt waren, kann man sich mittlerweile auch als Europäer ein tolles Käferterrarium mit passendem Bewohner zulegen. Wie sieht es bei euch aus, könntet ihr euch einen gehörnten Käfer als Haustier vorstellen?

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Brandybuck« (2. Mai 2013, 14:41)


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Sonntag, 13. Januar 2013, 16:40

Das Käfer im Asiatischen Raum gerne verzehrt werden wusste ich, aber dass man die in Japan als Haustieren hat war mir auch nicht bewusst.

Ich persönlich spring an die Decke, wenn ich nen Schneider im Zimmer hab. Deshalb, nein danke. :D

raz0rback2

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Sonntag, 13. Januar 2013, 17:52

Wow, was für ein ausführlicher Bericht. Das mit Pokemon wusste ich und dachte mir schon, dass die Japaner wohl einen anderen Drang zu Käfern haben, die laufen da wahrscheinlich auch einfach mehr durch die Gegend XD Aber dass sie als Haustiere gehalten werden war mir neu.

Japaner stehen übrigens total auf "Die kleine Raupe Nimmersatt". Wohl weil es ein tolles Kinderbuch ist. Das Ideale Geschenk für Japaner, wenn man eine deutsche Version davon mitbringt ;) Davor fürchten sie sich sicher nicht. Bei so manch einem Krabbler fühl ich mich auch nicht sehr wohl, aber liegt eben daran, dass die einfach nicht sonderlich schön sind. Mit ein wenig Farbe würde das sicher anders aussehen xD

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Sonntag, 13. Januar 2013, 21:15

Sind die Viecher nicht mehr ein Essen als ein Haustier? loooooool

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Montag, 14. Januar 2013, 23:29

Mal wieder ein toller Culture Slot und sehr interessant. Hätte ich echt nicht gedacht, dass Japaner so "vernarrt" in Insekten sind. Das erklärt wohl auch die "Insektensammler" (hießen die so?) in den Pokemon-Games. :D

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