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Samstag, 5. Mai 2012, 22:44

Im Test! Pandora's Tower

Wo man nur hinsieht, überall gibt es nur ein Thema: Was kann die Wii U? Die Gerüchteküche brodelt und in Foren tippen sich User förmlich die Finger wund, wenn es um Nintendos neue Konsole geht. Anonyme Entwickler haben mit einigen heiklen Zitaten der letzten Monate sicher auch die ein oder andere hitzige Diskussion entfachen können. Die Wii U soll angeblich unter dem technischen Niveau einer PlayStation 3 oder Xbox 360 liegen und seinen Schwerpunkt im interaktiven Gameplay besitzen.

Helena braucht eure Hilfe

Das gleiche Thema hatten wir bereits mit der von vielen Leuten für tot erklärten Wii-Konsole. Irgendwie hat das alles etwas von einem Déjà vu, denn zu Zeiten der Wii wurden Anfangs auch viele negative Stimmen laut. Aber was hat das alles jetzt mit Pandora’s Tower zu tun? In erster Linie teilt ein Spiel wie Pandora’s Tower ein doch recht ähnliches Schicksal wie seine ihn betreibende Konsole und zwar die Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Ist die Wii doch für seine auf Casual Gamer ausgerichteten Spiele bekannt und wie Analyst Michael Pachter einmal sagte “eine zerplatzte Seifenblase“.

Besitzer einer Wii wissen natürlich, dass solche Aussagen nur von Personen kommen können, die nicht die gesamte Bandbreite der Konsole kennen. Bei all dem Lärm droht aber ein Spiel wie Pandora’s Tower beinahe in Vergessenheit zu geraten oder sogar gar nicht erst beachtet zu werden. Dass die Wii viel mehr als eine Party-Konsole ist, bewiesen zuletzt Titel wie The Last Story und Xenoblade Chronicles, die noch einmal zeigen konnten, was in dieser unterschätzten Maschine steckt. Ob sich Pandora’s Tower trotz der aktuellen Debatten um die kommende Wii U durchsetzen kann, wird wohl nur noch vom Spiel selbst und seinen Käufern abhängen. Lange Rede, kurzer Sinn – Richten wir doch nun endlich unseren Blick auf Pandora’s Tower.

Zwölf Ketten, dreizehn Türme

Alles fängt mit einem idyllischen Straßenfest an. Tanzende Menschenmassen, eine singende Schönheit und natürlich auch ein Spanner in Kapuze sorgen für den typischen Japano-Kitsch. Doch diese Freude hält nicht lange an, denn eine große Explosion stört die Party und sorgt für reichlich Unruhe. Die Stadt wird ganz offensichtlich angegriffen. Plötzlich schlüpfen wir in die Rolle des tapferen Aeron und versuchen mit unserer eben noch singenden Freundin Helena aus der Gefahrenzone zu entkommen. Dabei trifft das noch junge Pärchen auf die bizarre, alte Dame Mawda, die unseren Freunden auch prompt ihre Hilfe anbietet.

Nicht leicht für eine Vegetarierin

Kaum haben wir uns von den dramatischen Ereignissen erholt, erfahren wir, dass an Helena ein grauenhafter Fluch haftet, welcher sie nach und nach in ein Monster zu verwandeln droht. Mawda führt uns in ein verlassenes Ödland, das den Namen Okanos trägt. Uns erstreckt sich eine Schlucht gigantischem Ausmaßes, über ihr dreizehn Türme aneinandergekettet.

Wir erfahren, dass zwölf Ketten die sogenannte “Narbe“ zusammenhalten und die Welt davor schützen sollen in Stücke gerissen zu werden. Zu allem Überfluss muss sich Aeron auch noch in Gefahr begeben, denn innerhalb der dreizehn Türme befindet sich der Schlüssel zur Rettung Helenas – Das Fleisch der dreizehn Meister.

Die Fleischeslust

Mit dem auffälligsten Feature wagt sich Entwickler Ganbarion in ein Gefilde, das bisher nur von sehr wenigen Spielentwicklern getraut wird anzupacken. Schon bevor hierzulande vom Gameplay des Spiels gesprochen wurde, machte Pandora’s Tower bei Zockern der Wii vor allem durch seine interaktive Story von sich reden. Die Zuneigung zwischen Helena und Aeron beeinflusst das Schicksal der beiden Turteltauben. Um ein “Happy Ending“ freizuspielen, muss also darauf geachtet werden die Zuneigungsleiste am linken Bildschirmrand zu maximieren. Das klappt nur wenn ihr Helena mit Geschenken überschüttet und nicht zu faul für ein paar Dialogfenster seid. Natürlich könnt ihr durch ein hässliches Geschenk auch das Gegenteil bewirken, Helenas Zuneigung also minimieren.

Nicht, dass es schon genug Arbeit wäre uns durch dreizehn gefährliche Dungeons zu Kämpfen und Geschenke zu besorgen, nein, wir sind ständig unter Zeitdruck und müssen zusehen wie wir die schöne und unschuldige Helena von ihrem Fluch befreien können. Dabei spielt das Fleisch der Bestien, die wir auf unserem Weg zum Ziel töten müssen, die entscheidende Rolle. Helena ist aufgrund einer fest verankerten Tradition ihres Heimatlandes dazu verpflichtet auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten. Dass es der gebürtigen Vegetarierin deshalb umso schwerer fällt rohe Herzen zähnefletschender Monster zu essen, ist da nur verständlich.

Bitte iss doch etwas!

Tatsächlich zeigt Ganbarions Versuch an das Mitgefühl des Spielers zu appellieren volle Wirkung. Wer Helena einmal in ihrer scheußlichen Gestalt gesehen hat, will sich diesen herzzerreißenden (und gleichzeitig ekelhaften) Anblick von nun an ersparen und gibt sich beim nächsten Turm-Besuch wesentlich mehr Mühe auf die Zeit zu achten. Der Spieler fängt irgendwann an eine Strategie zu entwickeln, überlegt sich, wie er seine Zeit innerhalb der Dungeons einteilen soll. Geht man in den ersten beiden Dungeons noch auf volles Risiko, so fängt man irgendwann an beim ersten Besuch eines Dungeons die Gegend zu erforschen, beim zweiten Besuch den noch verschlossenen Eingang des Endgegners zu finden und zu guter Letzt alle Siegel zu brechen, die einem letzten Endes die Tür zum großen Bosskampf öffnen.

Nur selten wird einem das permanente Hin- und Zurücklaufen zum Observatorium zur lästigen Anstrengung. Hat man beim ersten einlegen der Disc noch die Befürchtung, dass Angst und Schweißperlen ständige Begleiter eines bedrückend wirkenden Spiels sind, merkt man schnell, dass man mit einem gut durchdachten Plan Herr der Lage ist. Nervig werden die Besorgungen für Helena nur, wenn man bei einem Rätsel nicht weiter weiß oder schlichtweg den Weg zum nächsten Siegel nicht finden kann.

Hack and Slay oder Rollenspiel?

Eine durchaus berechtigte Frage, denn schaut man sich die Trailer an, so weckt Pandora’s Tower den Eindruck, als sei es ein typisches Hack and Slay-Abenteuer, aber wie so oft passt auch hier der alteingesessene Spruch vom trügerischen Schein. Macht das Spiel auf den ersten Blick einen doch sehr actionlastigen Eindruck, so stellt sich in der Praxis schnell heraus, dass Pandora’s Tower mehr Spieltiefe besitzt, als man zuerst erahnen mag.

Hinter den Echtzeitkämpfen verbirgt sich ein rollenspieltypisches System, welches dem Spieler mithilfe von Ausrüstungsgegenständen erlaubt, seinen Helden in verschiedenen Bereichen zu stärken, eventuell auch Schwächen auszugleichen. Im Ausrüstungsmenü könnt ihr Items anlegen, habt Anfangs aber nur Platz für eure Waffe und ein paar andere kleine Gegenstände. Im Laufe der Zeit könnt ihr mit Helenas Hilfe mehr Slots freischalten, so dass einem aufgemotztem Kämpfer nichts im Weg steht.

An die Kette gelegt

Ihr solltet euch allerdings darauf einstellen genug Münzen beiseitezulegen, da jedes Item im Kampf beschädigt werden kann. Mawda wird eure Items gegen Bares reparieren, ihr braucht also nicht in Panik zu geraten. Wie in fast jedem Rollenspiel gehören natürlich auch Statusveränderungen, wie Verbrennungen oder Vergiftungen dazu und sollten während der Kämpfe berücksichtigt werden. Aeron findet im Laufe seines Abenteuers sogar neue Waffen, die er in Mawdas Shop verbessern kann.

Das Besondere an Pandora’s Tower ist allerdings, dass sich Strategie und Action die Waage halten. Neben den relativ simpel gehaltenen Rollenspiel-Elementen, wird vor allem durch Aerons Hauptwaffe deutlich, dass es sich hier um ein schlaues Hack and Slay handelt. Mit der Kette kann Aeron eine große Palette an Aktionen ausführen, die ihm nicht nur im Kampf, sondern auch in seiner Umgebung von großem Nutzen sein können. Gegnern können so auf verschiedenste Art und Weise den Gar ausgemacht werden. So kann der Spieler selbst entscheiden, ob er lieber mit seinem Schwert stumpf auf seine Feinde eindrischt oder sie mit der Kette peitscht, fesselt oder sogar durch die Gegend schleudert. Dem Gebrauch der Kette sind kaum Grenzen gesetzt und so bieten sich diverse strategische Möglichkeiten, die vor allem in Bosskämpfen Sieg entscheidend sein können.

Dungeons!

Neben der packenden Story, stehen in Pandora’s Tower vor allem die Dungeons mit ihren vielen Rätseln im Vordergrund. Optisch erinnern sie an Castlevania, teilweise sogar an Zelda, wenn man einmal von den Kamerafahrten absieht, die es so in Zelda nie gab. So hat Pandora’s Tower auch eine Art Feuer-,Wasser- und sogar Waldtempel zu bieten. Am Anfang eines jeden Dungeons erhebt sich vor dem Spieler eine gigantische Gottesstatue, die zwei bis vier Ketten in ihren Händen hält. Diese Ketten durchlaufen sich durch das gesamte Areal und sind alle miteinander an der großen Meistertür Verbunden.

Kawumm!

Um die Meistertür zu öffnen, bedarf es nun den Spürsinn des Spielers. Jede Kette wird von einem Siegel gehalten, die mit drei einfachen Schwerthieben gebrochen werden muss. Erschwert wird dieses Vorhaben von den vielen Monstern und Rätseln innerhalb der zwölf Türme. So wird ein jedes neue Dungeon größer, komplexer und somit auch fordernder. Da es sich bei den Rätseleinlagen aber nicht um komplizierte Denkspiele à la Uncharted handelt, ist mit Frust eher weniger zu rechnen. Oft geht es einfach nur darum Hebel zu betätigen, sich von einer Plattform zur nächsten zu hangeln und Bestien zu besiegen, die sich einem manchmal vor verriegelten Türen stellen. Wirklich fordernd ist eher der Aufbau eines jeden Dungeons, der mit jedem neuen Turm verworrener wird. Gepaart mit dem ständigen Begleiter namens Zeitdruck, stellt sich dem Zocker ein durchaus herausforderndes Abenteuer entgegen. Mit insgesamt zwölf Dungeons bleibt euch außerdem genug Zeit euch mit Story und Abenteuer des Spiels auseinanderzusetzen.

Das wahre Herzstück der Türme stellen allerdings die Bosskämpfe dar, die jeder einzelne für sich schon ein eigenes Rätsel darstellen. Dabei bringt wildes Draufkloppen überhaupt nichts, denn meistens werden die Monster von scheinbar unzerstörbaren Abwehrmechanismen beschützt, die es mit der Orakloskette irgendwie zu durchdringen gilt. Ist die Abwehr dann erst mal durchbrochen, offenbart sich das Meisterfleisch, welches mit gezielten Kettenhieben aus dem Gegner herausgezogen werden muss, was nicht immer einfach ist, weil sich die Gegner schnell wieder aufrichten und ihre Abwehr erneut aufstellen. Ist ungefähr die Hälfte der Lebenskraft des Gegners weg, aktiviert sich der Rage-Mode und der Meister greift von nun an in seine Trickkiste.

Aus alt mach’ neu – oder doch andersrum?

Pandora’s Tower hat vielleicht nicht ganz so coole Charaktere wie The Last Story, bietet auch nicht einmal im Ansatz den Umfang eines Xenoblade Chronicles, ein gutes Werk hat Ganbarion allerdings alle mal vollbracht. Einen Meilenstein haben wir jetzt sicher nicht bekommen, dafür fehlt es dem Spiel vielleicht doch an etwas mehr Freiheiten. Man könnte Pandora’s Tower als ein verrücktes Gen-Experiment zwischen Ico, Castlevania und Zelda betrachten, von allem etwas, aber als Ganzes in sich geschlossen. Hier und da wird Pandora’s Tower in seinen Cutscenes und Dialogen kitschig, aber das hängt vom jeweiligen Geschmack ab. Wer Bock auf nervenaufreibende Endgegner, eine spannende Story und herausfordernde Dungeons hat, ist bei Pandora’s Tower an der richtigen Adresse. Leute, die sich schon bei Zelda über zu viele Dialogefenster aufgeregt haben, werden mit diesem Spiel definitiv nicht den erhofften Frieden finden.

Story: Eine unterhaltsame und vor allem emotionale Story, die in erster Linie von zwei Charakteren lebt. Wird man Anfangs in eine völlig unbekannte Welt geschmissen, bekommt man nach und nach durch Cutscenes und Dialoge alles nötige erklärt. Die Story ist für manch einen Spieler vielleicht zu kitschig.

Gameplay: Die Kamera verhält sich überraschend angenehm. Nur bei Kletterpassagen kann es manchmal zu ungewollten Abstürzen kommen.

Grafik: Hübsche Grafik. Zwar haben es andere Spiele auf der Wii schon etwas besser gemacht, wirklich aufregen kann und sollte man sich auch nicht.

Soundtrack: Hat durchaus Charakter und sorgt für eine angemessene Atmosphere. Episches Latein-Gedudel während der Bosskämpfe.

Sonstiges: Tolles Dungeon-Design und fordernde Bosskämpfe. Da macht das Fuchteln mit dem Nunchuck doch Spaß.

von Lobodreamz

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