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Alhym

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Gitarre Ivalice Award 2007 - Gold Cocoon Ivalice Award 2012 - Triforce Prev-Award 2014 Ivalice Award 2008 - Lightning

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Donnerstag, 10. Juli 2014, 18:55

[Schmökerecke] Fahrenheit 451

Dank dem Forenausfall war ich nicht abgelenkt und habe gestern das Buch von Ray Bradbury beendet. Ich habe es auf Englisch gelesen, falls sich Namen geändert haben sollten, sorry.

Ich hatte das Buch vor Ewigkeiten in der Schule gelesen und fand es damals schon interessant. Beim erneuten Lesen nun, viele Jahre später, bin ich sehr erfreut gewesen: das Buch war viel besser geschrieben, als ich es noch dunkel in Erinnerung hatte. Ich finde es schön "flüssig" geschrieben, soll heißen, man kann durch die Sätze durchrauschen und in die Atmosphäre richtig eintauchen, ohne mal stehenzubleiben und einen Satz oder Wort nochmal genauer betrachten zu müssen.

Das Buch handelt ja vom Verbot der Bücher bzw. von dem, was in den Büchern ist. Meinem Empfinden nach ist das der freie Gedanke. Die Menschen werden davon abgehalten, selbst nachzudenken und so villeicht die Situation oder die Handlungen der Regierung zu kritisieren. Und das System funktioniert deshalb, weil durch die ständige "Glücksbeschallung" die Menschen nicht einmal merken, dass ihnen etwas fehlt.
Obwohl sich dieser Mangel ja systematisch in den wilden Autorennen und suizidalen Hobbys der Leute äußert. Da vieles vom Staat kontrolliert und bestimmt wird, scheinen die Leute so ausbrechen zu wollen aus diesem goldenen Käfig...was dem Staat egal sein kann, da dieser ja nicht zu Schaden kommen kann dadurch, wenn sich paar Leute umbringen. Nur der freie Gedanken, der zu Veränderungen führen kann, könnte dem Staat schaden.

Dieser Staat scheint auch sehr an die USA angelehnt zu sein. Er ist scheinbar reich, gut mit Atomwaffen bestückt und hat sehr viele Städte. Und der Rest der Welt scheint für diesen Reichtum bezahlen zu müssen mit Armut. Vielleicht eine Anspielung der Rohstoffausbeutung von afrikanischen und arabischen Staaten durch die westlichen Staaten?

Was ich einigermaßen lustig fand war, dass es TV noch gibt, aber es praktisch zur Verdummung der Menschen genutzt wird (was ich zumindest so in der heutigen Gesellschaft sehe). Die "Familie" mit der sich die Menschen beschäftigen reden über belanglose Dinge, wo man nachher nicht einmal weiß, um was es ging, außer dass man viel Spaß hatte und es bombastisch war.

Ob Beatty, der Vorgesetzte von Guy, ein heimlicher Buchfan war (so wissend wie er war mit Zitaten) und deshalb einfach nur angeekelt von seinem Job, ist mir ein wenig unklar. Aber ich denke, es ist möglich, und er war eventuell zu feige, selbst da rauszuwollen...weswegen er sich von Guy verbrennen hat lassen. Oder aber, diese Aktion hat ihn so überrascht, dass er nicht reagiert hat.

Auch schön, dass die Leute am Land am Ende nicht zwangvoll eine Veränderung herbeiführen wollen, sondern einsehen, dass das auf Widerstand in der Bevölkerung stoßen wird. Sie begnügen sich eher damit, passiv zu warten und da zu sein, wenn die Menschheit sie braucht.

Alles in allem ein wirklich gutes und intelligentes Buch, finde ich :)

2

Freitag, 11. Juli 2014, 22:06

Fands unlesbar. Bin wirklich nicht weit gekommen... vielleicht liegt es auch daran, weil man schon ungefähr wusste, worums geht, aber die ersten 50 Seiten oder so konnten mich absolut nicht packen oder motivieren,w eiterzulesen (hab auch die englische Version gelesen).

Hab dann mal versucht, den BBC-Film zu sehen, bei dem bin ich aber eingeschlafen. ^^'
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3

Samstag, 12. Juli 2014, 13:07

Ich hab's nun auch durch. Tendenziell fand ich, dass es mit jedem Kapitel immer interessanter und besser wurde. Das erste Kapitel war ja hauptsächlich aufbauend; die Welt ist uns natürlich sehr fremd und wird auch nicht in allen Details erklärt, sondern nur durch das, was in der Handlung ohnehin passiert. Im zweiten Kapitel beginnen dann die Widerstandsgedanken und Pläne, und im dritten und letzten Kapitel eskaliert dann alles und von heute auf morgen macht das Leben von Guy Montag eine komplette Wendung.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Ich fand auch, dass es sich sehr flüssig las, und vor allen Dingen sehr persönlich. Die Art, wie die Gedanken des Protagonisten nahtlos und direkt in die dritte Erzählperspektive eingebaut wurden, fand ich persönlich sehr ansprechend.

Nun zum Inhalt: Am Anfang weiß man ja nicht viel über die Welt. Sie erscheint befremdlich, ein wenig unheimlich, auf jeden Fall nicht utopisch. Die Menschen erscheinen leer, alles erscheint bedeutungslos. Lange habe ich mir noch die Frage gestellt, ob die Menschen in dieser widernatürlichen Gesellschaft wirklich glücklich sind. Letztlich ist es egal, denn die Gesellschaft selbst ist zum Scheitern verurteilt, wie der Krieg, der ja nur Nebenthema war, gezeigt hat. Es war einfach so vieles falsch mit der Gesellschaft, und damit meine ich nicht nur die Unterbindung der freien Gedanken. Die von Alhym angesprochenen suizidalen Autofahrten zum Beispiel – aber damit endet es ja nicht. Morde erscheinen völlig normal, die Menschen wollen einerseits Dramatik, haben aber andererseits absolut keine emotionale Bindung zum Leben und zu anderen Menschen.

Sehr spannend wurde es, nachdem Montag auf Faber traf. Dann begann ja erst der eigentliche "Widerstand". Und schnell war es auch vorbei, denn danach haben sie die Ereignisse überschlagen. Montags Ausraster bei sich Zuhause, die Verbrennung seines eigenen Hauses, der Mord an Beatty, die Flucht, und schließlich – das hat mir am besten Gefallen – das Leben außerhalb der Stadt, in bescheidener Armut, in stiller Weisheit, wartend, in der Wildnis und fernab von der Gesellschaft. Kurz darauf: Der Krieg zerstört die Stadt, die Gesellschaft ist am Boden. Aber davon erfährt man nichts mehr. Es ist kein fröhliches Ende, es ist kein trauriges Ende. Eine schockierende Wendung, ja, aber eine sehr faszinierende und letztendlich trotz allem sehr nüchterne.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Ich hätte mir gewünscht, dass ein paar Aspekte ein bisschen stärker ausgearbeitet worden wären, aber wirklich notwendig gewesen wäre das nicht. Das Buch hat so, wie es ist, sehr gut funktioniert und ein Portrait einer dystopischen und sehr faszinierenden Zukunftsvision gezeichnet. Ob diese realistisch ist, oder jemals realistisch sein kann, ist schwer zu beurteilen – ich habe aber das Gefühl, dass, auch wenn dieses Gedankenspiel in den Grundzügen stark an Elemente unserer Gesellschaft erinnert, in diesem Ausmaß niemals stattfinden könnte, weil es dem Wesen des Menschen zu sehr widerspricht. Es sei denn, es wird wirklich eine Technologie entwickelt, die wirklich dermaßen große psychologische Effekte auf den Menschen hat. Dann aber muss man sich fragen: Wie funktioniert eine solche Gesellschaft? Wie kann sie in Wohlstand leben, wenn Bildung systematisch auf ein Minimum reduziert wird. Wer regiert? Wer arbeitet? Wer sorgt für Fortschritt oder zumindest für keinen Rückschritt? Das sind alles Fragen, die offengeblieben sind, weil man doch sehr vieles über die dargestellte Gesellschaft nicht weiß. Das ist aber auch nicht ganz so wichtig, denn die Kernidee wurde umgesetzt, und gut umgesetzt.


Edit: Ich habe nun auch das Nachwort, die Corda und ein Gespräch mit Ray Bradbury gelesen, die bei meiner Ausgabe dabei waren. Sehr interessantes Material! Ich habe nun auch Interesse an anderen Werken von Bradbury; "Dandelion Wine" habe ich mal auf meine Wunschliste gesetzt. :>

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Blackiris« (17. Juli 2014, 17:53)


4

Freitag, 5. September 2014, 20:03

Ich habe mir jetzt Dandelion Wine zugelegt. Irgendwie hat mich die Beschreibung total angesprochen:

The summer of '28 was a vintage season for a growing boy. A summer of
green apple trees, mowed lawns, and new sneakers. Of half-burnt
firecrackers, of gathering dandelions, of Grandma's belly-busting
dinner. It was a summer of sorrows and marvels and gold-fuzzed bees. A
magical, timeless summer in the life of a twelve-year-old boy named
Douglas Spaulding—remembered forever by the incomparable Ray Bradbury.

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